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Lieb dich, du Sau. Sofort!

Ich muss jetzt mal ein Plädoyer halten für etwas, dass im Alltag immer schnell vergessen wird.

Selbstliebe.

Das ist kein verklausuliertes Wort für Masturbation, sondern so ein komisches Konzept, dass besagt, dass man sich selbst gern haben soll. Und das geht ja mal gar nicht. Hand hoch wer sich selber dufte findet!

Und jetzt Hand hoch wer sich irgendwie doof findet. Zu klein, zu dick, zu doof, zu hässlich, zu ________ (fill in the blank).

Ja klar, es gibt auch hier und da ein paar Sachen die man gut kann, die man hübsch findet. Ich habe zum Beispiel einen sagenhaft schönen Zeh. Aber das reicht natürlich nicht. Irgendwas ist immer Scheiße, irgendwas stimmt immer nicht. Und man ärgert sich über sich selber und findet sich doof.

Lacan sagt, dass der Mensch sich als Kleinkind im Spiegelstadium im Spiegel betrachtet und sich fälschlicherweise für perfekt hält. Und irgendwann schnallt er, dass es so nicht ist und rennt wie ein Idiot diesem Bild nach. Nun, ich bin mir nicht sicher, ob Lacan da was total Schlaues sagt, oder ob er einfach ein bisschen zu lang in Spiegel geguckt hat…aber grundsätzlich hat er schon recht. Warum zum Donnerdrummel1 reicht es einem nicht man selber zu sein? Fehler included.

So geht das jetzt nicht weiter. Selbsthass ist so “in” wie Steghosen und Schulterpolster. Und deswegen machen wir das ab heute anders. Wir – das bedeutet ich und du lieber Leser, denn ich bin ein großer Fan von Interaktivität.

Hiermit rufe ich den Aktionstag Selbstliebe aus. Wann auch immer du diesen Text liest, ab heute hast du dich gefälligst lieb, sonst gibts Dresche!2 Scheiß egal was an dir alles nicht passt und was alles doof ist. Und wenn du aussiehst wie der Glöckner von Notre Dame – siehs positiv – immerhin brauchst du mit so einem Buckel nachts kein Kissen. Und du kannst kleine Kinder drauf reiten lassen und sie damit abhalten in Lacansche Spiegel zu gucken.

Sich selbst zu lieben ist wahrscheinlich drei Zillionen Mal schwieriger als andere Leute toll zu finden. Aber auch hier, wenn die anderen den Arsch in der Hose hätten einem zu sagen, was sie so schätzen, würde das auch helfen sich selbst mehr zu mögen. Das heißt, ab heute wird zweigleisig gefahren. Ab heute wird sich auch getraut anderen Leuten zu sagen, was toll an ihnen ist.

Ich werde das jetzt ausprobieren, auch bei Fremden auf der Straße. Das wird ein spannendes Experiment, vor allem hier in Berlin. Hier in der S-Bahn zu stehen und jemandem zu sagen “Hey ich mag dein Lächeln. Das macht dich richtig sympathisch!” könnte unter Umständen dazu führen, dass man plötzlich mit dem Kopf außerhalb der S-Bahn weiterfährt. Wenn man Glück hat, wird man nur für einen dieser dauergrinsenden Jesusjünger gehalten und kriegt einen Euro als Spende in die Hand gedrückt.

Sollte ich nach diesem Eintrag nie wieder bloggen, wars dann doch die erste Variante. Aber vielleicht schaffe ich es dann noch in den Berliner S-Bahn Fahrwind zu rufen: Ich lieeeeebbeeee mich!

P.s. Wer auch immer du bist: Du bist toll. Lass dir keinen Scheiß einreden, vor allem nicht von dir selber. Und sobald du rausgefunden hast wie das geht, schreib mir…

  1. Dieser Ausdruck ist geklaut. Ich danke der Quelle für diese Wortschatzbereicherung, gebe sie aber nicht preis. []
  2. Ich kenne rumänische Schläger, Computerhacker, einen Anwalt und ich habe Zugang zur gesammelten Romy Schneider Filmkollektion, bestehend aus 58 meist sehr qualvollen Filmen, also untersteh dich! []