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Wie es gewesen sein wird…

Heute abend werde ich mich ins Kino begeben, um der Neubearbeitung einer meiner liebsten Kindheitserinnerungen beizuwohnen: Star Trek.

Und ich weiß jetzt schon wie es heute abend gewesen sein wird: TOLL!

Wie ich das sagen kann, ohne den Film zu kennen? Ganz einfach. Der Film ist mir scheiß egal.

Ich werde heute abend im abgedunkelten, kinematografischen Raum gesessen haben, in einem roten Plüschsessel, unter mir Milliarden und Abermilliarden ein- bis mehrzellige Lebewesen, die aus dem Polster heraus entweder mitgeguckt oder meinen Arsch bewundert haben werden.

Neben mir und um mich herum werden die mir liebsten Kinomitgucker gessen haben. Ich hoffe es wird was zu lachen gegeben haben, denn eigentlich warte ich bei Filmen immer nur darauf, die quiekende Styroporlache meines besten Freundes zu hören. Ich hoffe es wird tolle Körper gegeben haben, denn ich liebe es zu sehen, wie das Frl. W. verschmitzt auf Muskeln starrt, anstatt der fein ausgeklügelten Handlung zu folgen. Ich hoffe der Film wird ein bisschen schlecht gewesen sein, damit das Glückskind sich danach den Bart ein bisschen streichelt und kluge, kritische Worte zum Thema findet. Ich hoffe der Film wird unterhaltsam gewesen sein, damit der Herr Redeemer danach mit diesem zufriedenen Gesichtsausdruck aus dem Kino schlurft, als hätte er gerade eine Gratisportion seines Lieblingseis1 bekommen.

Und ich? Ich werde auf die Leinwand geschaut haben. Und daran gedacht haben, wie ich als Kind die Luft mit anhielt, wenn der “echte” Captain Kirk in Großaufnahme seinen Bauch eingezog und nicht mehr atmete, damit keiner bemerkt, dass man im Weltraum auch übergewichtig werden kann. Und ich hoffe Spock wird sich mit dieser Geste verabschiedet haben, die, so man noch eine Zunge durch die Öffnung strecken würde, eine Geste für Lesben ist.2 Und ich will gesehen haben, wie Scotty irgendwen irgendwann irgendwo hinbeamt. Und Uhura den Knopf in ihrem Ohr festhält, um die intergalaktische Nachricht besser zu verstehen.

Da meine Ansprüche an den Film so gering gewesen sein werden, werde ich eigentlich da gesessen haben und mich die ganze Zeit gefreut haben, dass es solche Abende gibt, mit solchen Menschen. Menschen, die ich nie vergessen werde, Menschen, die mich prägen. Die in meiner Biographie in mindestens einem Kapitel stehen werden. Gerne auch in allen, die jetzt noch kommen mögen.

Das sind die Augenblicke, in denen mir wieder einfällt, dass man andere nicht wegen ihrer perfekten Seiten liebt, sondern wegen ihren kleinen Ungereimtheiten. Den kleinen Dummheiten, Ekligkeiten, Menschlichkeiten.

Dem Essen im Bart, den Flusen im Bauchnabel, den schiefen Beinen, den absurden Angewohnheiten, den zerzausten Haaren, den zu großen Bäuchen, den Sprachfehlern, den Ticks, den Schluckaufs, den Gesichtserrötungen, den angewachsenen Ohrläppchen…

Das sind auch die Augenblicke, in denen mir bewusst wird, wie sehr ich immer versuche perfekt zu sein (was regelmäßig dazu führt, dass ich genau das Gegenteil davon verursache – und zwar gern in der peinlichen und öffentlichen Variante.).

Und deswegen weiß ich auch was heute Abend noch geschehen sein wird. Ich werde dort gesessen haben und mir meine unperfekt-perfekten Freunde angesehen haben und mich dann einmal gehen gelassen haben und für den Bruchteil einer Sekunde werde ich einfach nur ich gewesen sein. In all meiner Imperfektion.

Ich werde heute Abend als Statement für mich und die Nachwelt diesen roten Plüschsessel und die Milliarden und Abermilliarden ein- bis mehrzellige Lebewesen, die aus dem Polster heraus entweder mitgeguckt oder meinen Arsch bewundert haben, mit dem mir biologisch größtmöglichen Pups versehen haben.

Trööööööööttt…

Ein Furz für die Freundschaft!

  1. Walnuss, wenn ich mich recht entsinne []
  2. Der Arme. Eine scheiß Frisur, kein Spass im Leben und dann ist die heimatliche Begrüßung eine halbe Muschileckgeste. []