Archive for the 'Film Noir' Category

The Big Sleep (1946)

Ich stehe eigentlich nicht so wahnsinnig sehr auf richtig alte Filme1 .

Aber The Big Sleep ist ziemlich großartig. Humphrey Bogart und Lauren Bacall sind eigentlich die gesamte Zeit dabei sich verbal und per Augenkontakt zu Boden zu zerren um (wie es die Klischee-Franzosen in einem schlechten Film sagen würden) “Liebä su machen”.

Ein Beispiel gefällig?

Bogart (wissendes Grinsen, männlich-herbe Gesichtszüge): “Now, what’s wrong with you, sugar?

Bacall (rauchige Stimme, göttlicher Wimpernaufschlag, Katzenaugen): “Nothing you can’t fix…”

Das Schöne daran ist, dass es stets Freude bereitet den beiden dabei zuzusehen2 , vor allem weil sich die Bacall nicht einmal die Butter vom Brot nehmen lässt und stets gekonnt pariert.

Dem Katz-und-Maus Spiel der beiden gesellt sich dann noch ein klug ausgeklügelter Kriminalfall hinzu, der so komplex ist, dass ich ihn immer noch nicht so genau durchschaut habe. Und natürlich auch – wie es sich für einen ordentlichen Film Noir gehört – zwielichtige Gangster mit albernen Namen, Millionäre und verrückte Frauen.

An dieser Stelle muss noch kurz der Regisseur angesprochen werden. Howard Hawks war einer der ganz Großen der 40er Jahre, doch bereits in den 50ern begann man ihn zu vergessen. Erst als die Franzosen der Cahiers du cinéma3 ihn zu ihrem Favoriten auserkoren, würdigte man sein umfassendes Werk auch in der Heimat.

The Big Sleep ist einer seiner besten Filme. Hawks war stets bedacht den amerikanischen Ursprungskerl in all seiner Rauheit in Aktion zu zeigen. Das gelingt ihm hier ganz fantastisch. Bogart wird vermöbelt, steht dauernd im Regen, wird gehasst, angebaggert und dann stehen gelassen, mit Waffen bedroht und verzieht nicht einmal die Miene. So ist es halt im wilden Amerika. Nur die Harten kriegen am Ende die femme fatale und überleben das sogar noch.

Also, wer die Bacall/Bogart/Hawks Kombination mag, sollte sich auch To Have or Have Not angucken.

Auch zu empfehlen ist Howard Hawks’ wohl bekanntester Film Rio Bravo. Mehr “amerikanischer harter Kerl” geht glaub ich nicht (ich sag nur John Wayne…).


  1. Richtig alt im Sinne von Zeiten, in denen schwarz/weiß aus technischen und nicht aus ästhetischen Gründen zum Einsatz kam. []
  2. …und letztendlich haben sie sich ja auch im wahren Leben gekriegt und waren glücklich bis Bogart an Lungenkrebs starb. []
  3. französische Filmzeitschrift, aus deren Reihen die Nouvelle Vague Bewegung mit Leuten wie Godard, Bazin, Truffaut etc. entsprangen []