Archive for the 'Ad-hoc Kritik' Category

Luke und Steves verrückte Ozeanreise.

Letztens saß ich mit der wundervollen Frl.W. und dem charmanten Herrn André in einer Pressevorführung für einen 3D Film. Wir waren äußerst erfreut mal wieder ein wenig “Kino der Attraktionen” erleben zu dürfen. Bewaffnet mit einem biologisch abbaubaren Limonadenerfrischungsgetränk und einer überdimensionalen 70er Jahre 3D Brille begannen wir die Reise zum WILD OCEAN 3D…

50 Minuten später begriff ich langsam, dass dieser Film nicht einmal durch das Hinzufügen einer 4. Dimension oder großen Brüsten oder Eva Mendes‘ großen, vierdimensionalen Brüsten hätte gerettet werden können. Manchmal wird aus Scheiße eben kein Kompott.

Es ist wirklich eine Frechheit was Luke und Steve, die Macher dieses Güllewerkes einem da vorsetzen. WILD OCEAN 3D, das klingt nach… na ja wildem Ozean eben. Und was zeigen Luke und Steve?

Sardinen. Millionen von Sardinen, die einem 3D technisch vor der Nase schwimmen. Aber das sind keine gewöhnlichen Sardinen, oh nein! Diese Sardinen sind welche, die (gähn…) “jedes Jahr ihre große Reise in die wärmeren Gewässer vor der Küste Südafrikas antretenzzzzzzzzzz” (An dieser Stelle ist meine charmante Begleitung Herr André bereits kopfüber in die 3D-Sardinenflut gekippt und friedlich entschlafen.)

Da die zukünftigen Dosenfische ja die Angewohnheit haben an Südafrika vorbei zu schwimmen, dachten sich Luke und Steve sie könnten noch ein paar Einheimische mit einbringen. “Der Neger an sich schnackselt ja gerne” – das wissen wir ja schon von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. In der Welt nach Luke und Steve tanzt und singt er die ganze Zeit. Oder sitzt rum und starrt aufs Meer, bereit der armen Sardine ein letztes Geleit zu gewähren.

Um die Nahrungskette of Langeweile noch langatmiger zu gestalten- oder weil sie vielleicht irgendwo billig 3D Filmschnipsel davon aufkaufen konnten, gibts zur Sardine noch ein bisschen Delphine und Haie und “janz weit weg”- Aufnahmen von Walen. Ach so ein bisschen Robbe und so ein paar Vögel sind auch dabei. Viel Geld können sie nicht gehabt haben, denn die Aufnahmen sind immer die gleichen. Bei der fünften Wiederholung eines 3D Hais, der auf die Kamera zuschwimmt, fing Frl.W. leise an zu weinen.

Noch konnte ich den Drang, mir das Gehirn mit einer Scherbe des biologisch abbaubaren Limonadenerfrischungsgetränks herauszuschneiden, unterdrücken. Doch Luke und Steve waren noch lange nicht fertig. Was macht der Amerikaner, wenn er kaum Material hat und irgendwie auch keine Story? Er kramt Pathos aus der Tasche. Am Ende dieser Qual für Sardine und Zuschauer entblöden sich die beiden nicht noch eine Öko-Botschaft anzuhängen.

Ich kann mir gut vorstellen wie der Voice-Over Sprecher, sicherheitshalber mit einer Kotztüte ausgestattet, und von bewaffneten Tierschutzfanatikern umzingelt, gezwungen wurde, den schmalzig -ökoaktivistischen Text auf die Bilder eines traurig in eine Sardinenbüchse starrenden Kindes zu sprechen.1

Wir saßen noch eine ganze Weile im Kino. Ich, weil ich immer noch auf den wilden Teil wartete, Frl.W. weil sie sich in post-traumatischer Langeweile-Katatonie befand und Herr André…schlief sanft und träumte davon Luke und Steve in eine Sardinenbüchse zu stopfen, ins Wasser zu werfen und sie mit einer 3D Kamera auf ihrer “großen Reise in die wärmeren Gewässer vor der Küste Südafrikas” zu begleiten, um dann einen Film daraus zu machen. Und mit dem Gewinn allen, die für diese Gülle tatsächlich Geld zahlen mussten eine kleine Kompensation überreichen zu können.

No sardines were harmed in writing this text. The harmed humans that had to watch this movie are still recovering.
  1. Bla, bla, “…und wenn wir nicht auf unser Ökosystem aufpassen, wird es bald keine….” bla, bla “Gefahr für den Planeten bla, bla “alles aussterben” bla, bla…. []

feline Filmkritik

Ich brauche Roger Ebert nicht mehr. Und auch nicht Bert Rebhandl, Christina Nord, Ekkehard Knörer, Knut Elstermann und wie sie alle heißen. Es wird ja viel geunkt,  dass die Filmkritik passé ist, weil im bösen Internet jeder zu Wort kommt so viele Laienmeinungen produziert werden.1.  Aber die guten alten Printkritiken sind für mich nicht deswegen out. Sondern weil ich endlich gemerkt habe, dass meine Katze tatsächlich noch mehr Funktionen hat als fressen, scheißen, schlafen, im Weg rum sitzen/liegen/stehen und Pflanzen durch Gähnen zum Welken bringen. Denn Katze ist die perfekte Ad-hoc Filmkritikerin.

Man muss dazu sagen, dass es sich hier um keine normale Katze handelt. Sie stammt aus einer langen Reihe inzestuöser, sächsischer, schwarz-weißer Pseudopanther mit irritierend pinkfarbener Nase. Erschwerend hinzu kommt, dass sie im zarten Alter von 12 Wochen einen ordentlich auf die Nuss bekommen hat und seither eindeutig als beschädigte B-Ware einzustufen ist.

Vor einer Weile hat Katze angefangen Darth Vader perfekt zu imitieren. Nein, sie saß nicht irgendwann vor mir und sagte: “Lug, Ai äm jurr faser”. Dafür atmet sie aber genau wie der Darth. Und braucht dazu nicht mal einen Helm. Zuerst dachte ich sie hat sich eine Überdosis Katzenminze reingepfiffen. Doch irgendwann wurde mir klar, dass wir kurz davor Star Wars gesehen haben. Ich wurde aufmerksam und beobachtete von da an ganz genau.

Und tatsächlich, jeden Film, den wir sahen, kommentierte sie auf ihre eigene Weise.

Beispiele:

Der Pate: fand Katze gut, kratzt sich seitdem vor dem Futternapf das Kinn wie Marlon Brando

Catwoman: die feline Charakterdarstellung Halle Berrys veranlasste Katze zu einem ausgedehnten Furz

Die Verurteilten: einen Tag nach Sichtung verschwand unser Hammer, wir fanden ihn in Katzes Bett wieder

Saw I: fand Katze in seiner brutalen Gewaltdarstellung überzeugend und spaltete mir hinterrücks den Nippel, um zu sehen, ob sie das Zeug dazu hat ein zweiter Jigsaw zu werden.2

Basic Instinct: Katze fand Sharon Stone nur mittelmäßig überzeugend, um ihr zu zeigen wie man es richtig macht, leckt Katze sich ausgiebig den eigenen Genitalbereich, um dann gelangweilt einzuschlafen

Bodyguard: Katze jault bei allen Liedern lautstark mit, kollabiert dann ob der klischeehaften Liebesszenen und lässt sich von mir ins Bett tragen

Matrix I: Katze schaut stumm dem Geschehen zu und hält die Luft an nachdem Morpheus sagt: “Glaubst du wirklich das ist Luft, die du grad atmest?” Seit dem imitiert Katze Keanu Reeves’ Mimik (Beweisfoto beigefügt)


  1. was übrigens der totale Quatsch ist, meiner Meinung nach []
  2. Das Ausbleiben von Futterrationen überzeugte sie letztendlich vom Gegenteil []

The Big Sleep (1946)

Ich stehe eigentlich nicht so wahnsinnig sehr auf richtig alte Filme1 .

Aber The Big Sleep ist ziemlich großartig. Humphrey Bogart und Lauren Bacall sind eigentlich die gesamte Zeit dabei sich verbal und per Augenkontakt zu Boden zu zerren um (wie es die Klischee-Franzosen in einem schlechten Film sagen würden) “Liebä su machen”.

Ein Beispiel gefällig?

Bogart (wissendes Grinsen, männlich-herbe Gesichtszüge): “Now, what’s wrong with you, sugar?

Bacall (rauchige Stimme, göttlicher Wimpernaufschlag, Katzenaugen): “Nothing you can’t fix…”

Das Schöne daran ist, dass es stets Freude bereitet den beiden dabei zuzusehen2 , vor allem weil sich die Bacall nicht einmal die Butter vom Brot nehmen lässt und stets gekonnt pariert.

Dem Katz-und-Maus Spiel der beiden gesellt sich dann noch ein klug ausgeklügelter Kriminalfall hinzu, der so komplex ist, dass ich ihn immer noch nicht so genau durchschaut habe. Und natürlich auch – wie es sich für einen ordentlichen Film Noir gehört – zwielichtige Gangster mit albernen Namen, Millionäre und verrückte Frauen.

An dieser Stelle muss noch kurz der Regisseur angesprochen werden. Howard Hawks war einer der ganz Großen der 40er Jahre, doch bereits in den 50ern begann man ihn zu vergessen. Erst als die Franzosen der Cahiers du cinéma3 ihn zu ihrem Favoriten auserkoren, würdigte man sein umfassendes Werk auch in der Heimat.

The Big Sleep ist einer seiner besten Filme. Hawks war stets bedacht den amerikanischen Ursprungskerl in all seiner Rauheit in Aktion zu zeigen. Das gelingt ihm hier ganz fantastisch. Bogart wird vermöbelt, steht dauernd im Regen, wird gehasst, angebaggert und dann stehen gelassen, mit Waffen bedroht und verzieht nicht einmal die Miene. So ist es halt im wilden Amerika. Nur die Harten kriegen am Ende die femme fatale und überleben das sogar noch.

Also, wer die Bacall/Bogart/Hawks Kombination mag, sollte sich auch To Have or Have Not angucken.

Auch zu empfehlen ist Howard Hawks’ wohl bekanntester Film Rio Bravo. Mehr “amerikanischer harter Kerl” geht glaub ich nicht (ich sag nur John Wayne…).


  1. Richtig alt im Sinne von Zeiten, in denen schwarz/weiß aus technischen und nicht aus ästhetischen Gründen zum Einsatz kam. []
  2. …und letztendlich haben sie sich ja auch im wahren Leben gekriegt und waren glücklich bis Bogart an Lungenkrebs starb. []
  3. französische Filmzeitschrift, aus deren Reihen die Nouvelle Vague Bewegung mit Leuten wie Godard, Bazin, Truffaut etc. entsprangen []