Archive for the 'abstruses / absurdes Gedankengut' Category

Umzug

Karatekueken hat ein neues Dojo: karatekueken.tut-bloggen-tun.de

 

Frau Odorama trifft die Titanen

Bei Pressevorführungen trifft man – ob man will oder nicht – immer die gleichen Leute. Der Glückskind war heute in der Clash of the Titans Pressevorführung und traf da ganz “überraschend” auf Frau Odorama:

“Ich also in der Astor Filmlounge. Stehe am Tischchen vor dem ich mich aller Pheripheriegeräre entkleide und gehe dann zu Bar um einen Saft zu holen. Vor mir eine ältere Dame die Tee bestellt. Kost ja nix, für mich auch Tee UND Apfelsaft. Der Saal ist gut gefüllt und ich schlage mir die Zeit bis zum Anfang des Clashes mit dem Pressetext tot. Links neben mir zwei Jungs, rechts frei. Irgendwann wird es dunkel, bald gehts los. Yippie. Doch dann…da nehme ich hinter mir unsere Frau Odorama wahr. HINTER mir, die Götter meinten es gut. Sie guckt sich um, brabbelt vor sich und verlässt die Reihe hinter mir, denn sie hat einen viel besseren Platz entdeckt. :/
Riechen tut sie ja weniger, aber sie macht ständig Geräusche und dieser eklige Husten. Nicht in meine Richtung, bitte. Und wie ein Kind benennt sie Sachen die im Film zu sehen sind. Kommt Pegasus in der letzten Minuten angeflogen, brabbelts: “Pegasus, hähähä”. Irgendwie auch niedlich, aber der Husten. Als es sehr spannend würde, fing sie dann auch noch an wie wild mit den Beinen zu wippen, das liebe Kind. Jetzt hatte ich auch mein Erlebnis mit ihr.
Übrigens spielt sie im Film mit. Sogar gleich drei mal. Perseus sucht drei Hexen auf und eine hatte auch diesen Horror-Haardutt wie Frau Odorama.

Der Film hat echt Spaß gemacht. Erwartet nicht mehr als im ersten Satz des Pressetextes angekündigt wird: “Männer kämpfen gegen Könige, Könige gegen Götter”. Der Regisseur spricht im Text auch über die Schwertkampfübungen der Schauspieler: ” Als die Jungs den Schwertkampf einübten, entstand unausgesprochen ein Wettbewerb, wer es am besten macht. Sam war ein großartiger Anführer, Mads ebenso, und bald entstand aus der Rivalität eine Bruderschaft. Das brachte großen Spaß.”
Ich weiß ja nicht wie das Englische war, aber der Übersetzer verdient einen Kopfschuss.”

Die Frau (er)füllt sich in der Küche

Manchmal braucht man einen Mädchenabend.  Mädchenabende werden zelebriert und müssen ganz bestimmten zeremoniellen Regeln folgen.

1.) Date ausmachen, das mindestens 5 Tage im Voraus liegt, damit man sich genügend lang vorfreuen kann

2.) sich 5 Tage lang vorfreuen und das so oft wie möglich den anderen mitteilen

3.) das Essen: muss geplant werden, muss besonders sein und muss, muss, muss Schokolade oder ähnliche Süßigkeiten zum Abschluss beinhalten.

4.) Proseggio aka Prosecco nur echt mit (Auf-)stößchengarantie

5.) Filmauswahl: Film muss entweder als “Frauenfilm” von der Werbeindustrie klassifiziert worden sein oder ein Objekt der Begierde beinhalten. Hier eignen sich besonders knackige amerikanische Jungschauspieler, eine in Kitsch ertrinkende Diegese oder Sex. Selbst wenn er nur angedeutet ist.

All diese Regeln einhaltend, begab es sich nun, dass ich mich in einem wunderbaren Wohnzimmer in Kreuzberg befand, im Magen unglaublich gutes Essen und bereit war mir einen als “Frauenfilm” klassifizierten Schund reinzuziehen:

Julie & Julia

Mal abgesehen davon, dass Meryl Streeps Charakter irgendwie wie Dame Edna herüberkam (dazu muss man aber auch sagen, dass die echte Julia Child ja auch irgendwie was von einer besoffenen Transe hatte), war der Film wirklich unerträglich. Julie Irgendwas, langweilige Spießerin aus Queens, heult sich durch den gesamten Film, weil Autorin werden dann eben doch nicht so einfach ist, wie man sich damals im College erträumt hatte. Dann wohnt sie noch – Gott bewahre – über einer Pizzeria (Empörung!) und ihr Mann sieht aus wie eine Aldiversion von Steve Guttenberg und will lieber pimpern statt panieren. Weil sie es also als emanzipierte, unabhängige Frau so gar nicht bringt, besinnt sie sich auf ihre Kindheit, wo Mutti in der Küche stand und Rezepte aus Julia Childs Kochbuch für Papas Chef kochte. Fortan kocht Julie alle Gerichte nach und schreibt dazu einen Blog, der interessanterweise von ihrem Mann niedergemacht wird, als sie damit Erfolg hat.

Das Ganze wird dann als Emanzipierungsprojekt getarnt, aber eigentlich ist es das Gegenteil. Julie kocht, weil sie das beruhigt. Es beruhigt sie, weil sie es unter Kontrolle hat und nichts Unvorhergesehenes sie überrascht. Und eben weil es eine Anleitung gibt, ganz im Gegensatz zum Autorin werden. Na super.

Also, ihre Julies da draußen, die ihr es draufhabt aber es irgendwie nicht drauf habt – hier ist was ihr kochen solltet:

1) Würstchen im Schlafrock (aka Frl. W.s Frühstück)

1 Wiener Würstchen in Käse einwickeln. Auf einen Teller geben, 30 Sekunden oder bis zum entgültigen Zerlaufen des Käses in die Mikrowelle geben. Herausnehmen, aus Gesundheitsgründen ein wenig Petersilie über die Pampe streuen und Ketchup anbei geben. Voilá!

Dieses deliziöse, ultrafranzösische, kulinarische Gedicht von einer Wurst enthält genügend Kohlenhydrate, Fett und Zucker um euer Hirn wieder anzukurbeln und euch Kraft zu geben da raus zu gehen und  was gegen Sodbrennen zu besorgen. Und wenn ihr dann schon da draußen seid, dann lüftet euer Hirn und fangt an das zu machen was ihr wirklich wollt. Egal wie bekloppt es ist.

Danke.

P.s.: Diese Nachricht ist genderkonform und gilt auch für Jungs, Transen und alles davor, dazwischen und danach.

Messerscharfe Analogie…not.

Ich habe zwei Arten von Messer in meiner Küche: Sol-Inger Messer, die ich billigst in einem 1€- Laden auf Gomera erstand und dann eine Packung  “japanische”1 Messer auf die ich 25 Jahre Garantie gegen Abnutzungserscheinungen hätte, hätte ich den Otto Versand Kassenbon von 2001 pflichtbewusst aufgehoben. Hab ich aber nicht, denn es war mir egal wie lange die Messer funktionieren. Genauso egal wars mir, dass sie ungefähr so japanisch sind wie meine Sol-Inger Messer aus Solingen sind.

Zwei Wochen nach meinem Otto Versand Shoppingrausch 2001 habe ich angefangen nachzuschärfen. Mit Freude. Und auch heute noch lache ich in mich hinein, wenn Freunde Utensilien in meiner Küche benutzen wollen und völlig durchdrehen, dass nichts was nach Messer aussieht auch nur annähernd die Funktion eines solchen erfüllt.

Ich mag es, wenn Dinge nicht das tun was sie sollen. Diese Messer sind pottenhässlich und man könnte auf ihnen nach Russland reiten. Aber es sind meine. So! Die ersten habe ich mir für meine erste Wohnung gekauft und ich weiß noch, wie ich in der komplett leeren Bude saß mit unendlich vielen Möbelstücken, die noch in Pappe verpackt waren und diesem bekloppten Messerset. Und für jede Pappverpackung brauchte ich ein anders, weil sie nach faktisch einmaliger Benutzung schon im Arsch waren.

So. Jetzt zur Analogie. Du bist wie meine Messer. Völlig bekloppt. In deiner Funktion völlig sinnfrei. Aber ich find dich wunderbar. Genau deswegen. Bleib ruhig ein Sol-Inger Messer in meiner Schublade. Und lass dir nicht einreden, dass du es nicht bringst, nur weil dir so ein Edelstahl mit Diamanten besetztes Teil dir einredet, du hättest keinen Wert.

Verstanden?

  1. Ich nenne sie jetzt mal so weil die Firma sich NIPPON nennt []

Wenn deiner Mutter ihre Glocken klingen… aka Weihnachten in Familie

Wir schmeißen die ganzen Geschenke ins Auto, die wir für deine Familie gekauft haben. Lauter Kram, der mittelmäßig viel gekostet hat und den kein Schwein braucht. Ich denke kurz über die tiefen Abgründe unserer Konsumgesellschaft nach und ob man wirklich einen Staubsauger und einen Handstaubsauger im Leben benötigt, aber komme mit diesem Gedanken nicht weit, denn mir fällt der neue Akkubohrer für deinen Vati auf den Fuß. Ich fluche laut und blasphemisch in die dreckskalte Luft hinein und möchte auf die Leute spucken, die soeben debil-weihnachtlich grinsend an uns vorbei laufen. Aber das passt ja nicht zur proklamierten Weihnachtsstimmung  “All you can love”, weshalb ich es lasse. Als wir ins Auto steigen, checke ich kurz mein Weihnachtsgesicht und bemerke, dass man an meinen Augenringen ganze Lichterketten befestigen könnte. Meine Nase ist knallrot und abgefroren. Ich denke, diese zwei Merkmale genügen um weihnachtlich auszusehen. Zur Not kann ich mir ja noch eine Santa Claus Mütze aufsetzen, so wie die debilen Verkäufer im Mediamarkt, die für ein Festgehalt nicht nur ihre Seele, sondern ihre Würde dazu verkaufen. Mit Nullfinanzierung, versteht sich. Irgendwie siehst du auch  nicht besser aus, was daran liegen mag, dass du gleich einen Zusammenbruch erleidest, weil die Autobahn an Verstopfung im Endstadium leidet und wir die nächsten drei Stunden damit verbringen werden, den Idioten auf der Nebenspur die Hölle heiß zu machen, während die Heizung im Auto versagen wird. Aber auch darüber soll man ja nicht schimpfen, immerhin ist es endlich mal wieder weiß an Weihnachten. Ich danke an Sommer in Spanien und an Eiskrem und den Geruch von Sonnenmilch auf deiner Pfirsichhaut und hasse diese Kälte, die  mich dazu zwingt so viele Schichten an Klamotten anzuziehen, bis ich aussehe wie  Maggie Simpson im Schneeanzug.

Wir schauen uns tief in die Augen und wissen was passieren wird, sind wir erstmal angekommen. Deine Mutter, schriller als jede Sirene, wird erstmal vier Stunden verbalen Dauerbeschuss auslösen, während dein Vater versucht den Preis für “Misanthroph des Jahrtausends” von Kafka abzustauben. Wir werden noch nicht mal die Schuhe aushaben, da wird deine Mutter schon die letzten acht Monate unseres Lebens abgefragt haben. Dann wird sie uns unter Verbalfolter in eure “gute Stube” schieben, in der bei gefühlten hundert Grad im Schatten schon der Rest deiner buckeligen Verwandschaft sitzt und vorglüht. Das mit dem Vorglühen scheinen die aber schon dauerhaft die letzten zwanzig Jahre zu machen. Ich werde so in die Runde gucken und mich wie bei jedem Besuch wundern, dass aus dir so ein schöner und ordentlicher Mensch geworden ist, trotz des offensichtlichen, schon seit Jahrhunderten andauernden Inzests in deiner Familie. Ich werde dir einen traumatisiert erschrockenen Blick zuwerfen, du mir einen apologetischen und wir werden uns an die Hand nehmen um Stärke zu tanken. Zum Glück musst du dich nicht für deine Verwandten schämen, du kennst meine und die sind keinen Deut besser. Wir sind beide Überlebende in einer Wüste voller genetischer Fails und wissen, dass man in solch illustrer Runde sogar mit drei Nippeln und sechs Fingern pro Hand  noch als Gottes beste Schöpfung gilt.

Wir setzen uns an den Tisch und die Erde fängt an zu beben, was außer uns niemanden beunruhigt. Deine Tante, die rein an ihrem Volumen gemessen drei andere Tanten verschluckt hat, kommt aus der Küche. In ihrem Mundwinkel hängt noch eine Packung Lebkuchen und ein Hundewelpe. Du quetschst meine Hand, um mich sanft darauf aufmerksam zu machen, dass mein Gesicht gerade das Roland Emmerich 2012 Katastrophenstadium erreicht hat und man mir mein Entsetzen ansieht. Gott sei Dank interessiert sich keiner für mein Gesicht. Nur mein Einkommen wird abgefragt und was ich dir so alles koche. Deine Tante stellt uns wortlos eine Flasche Wodka auf den Tisch als wäre es Tafelwasser. Ich erwähne, dass ich nicht trinke, woraufhin sie mir ein Bier reicht. Offensichtlich gilt hier Bier als Limonadenerfrischungsgetränk mit Hefegeschmack. Ich nehme einen Schluck, denn es gibt Augenblicke, in denen man aus Notwehr trinken sollte.

Während deine Familie seelig ist und alle Stammdaten unseres Lebens abfragt, wird mir heiß und ich komme nicht umhin meinen Pullover zu entfernen. Für das Entfernen eines Kleidungsstückes als Frau bekommt man in deiner Familie einen Bonus geschenkt. Deinen Onkel Horst. Der findet “junge Mädchen” außerordentlich gut und starrt mir für den Rest des Abends so unverhohlen auf die Brüste, dass ich ihm die Weihnachtsgans Arschloch voran über den Kopf ziehen möchte.

Dann wird endlich zur Völlerei geläutet und wir setzen uns an den riesigen Holztisch. Während deine Mutter Fett in verschiedenen Formen auf den Tisch aufträgt, reicht dein Vater Kohlenhydratbomben in Form von Gummiknödeln weiter. Meine Herzarterie und ich führen ein kurzes Zwiegespräch und versuchen einander zu versichern, dass wir das schon irgendwie schaffen werden, da habe ich plötzlich eine Hand auf meinem linken Knie und eine an meiner rechten Arschbacke. Die rechts gehört Onkel Horst. Die linke leider nicht dir, sondern der tatschigen alten Frau, deren genauen Verwandtschaftsgrad du schon gar nicht mehr benennen kannst. Ich höre auf zu atmen und werfe dir flehende SOS Blicke zu, doch du bist eingekeilt zwischen deinem Onkel mit den 2,3 verbliebenen Fingern – er ist Tischler – und deiner süssen Oma. Süss bezieht sich hier leider auf ihren Blutzuckerspiegel und auf den Fakt, dass sie ihre Diabetes am liebsten mit Kuchen und Prosecco kuriert.

Nach einer gefühlten Ewigkeit geht es zum “Wichteln” über. Ich finde ja, wichteln klingt, als ob sich ein Mann mit einem außerordentlich kleinen Penis, den er quasi nur mit seinen Fingerkuppen festhalten kann, einen runterholt. Ich habe diesen Gedanken leider parallel zur Bewichtelung deines Vaters von deiner Mutter und schaudere. Die “ich schenke dir ein völlig beklopptes Geschenk und du musst so tun, als ob du es liebst” Zeremonie dauert Stunden. Deine Mutter bekommt ein neues Topfset und allerlei Haushaltsutensilien. Ich hätte ihr am liebsten eine Verhaltenstherapie geschenkt. Vati hat neues Bastelzeug für den Hobbykeller bekommen, obwohl ich ja vermute, dass er dort vor allem an sich bastelt, denn ich befürchte deine Mutter wird ihn selbst in den romantischsten Augenblicken in Grund und Boden reden.  Dann sind wir dran. Juhu, versuche ich zu sagen, als ich den obligatorischen Katzen-Jahreskalender auspacke. Ein freudiges Gesicht erlange ich dadurch, dass ich mir vorstelle, wie wir bald das Ding auf unserem Balkon verbrennen. Du bekommst vier Bahntickets geschenkt. Natürlich schon vorausgestellt für die Strecke “Berlin – Nach Hause”. So nennen deine Eltern ihren Wohnort und ignorieren geflissentlich, dass du eigentlich ein eigenes “zu Hause” hast. Mit mir.

Und wie jedes Jahr sitzen wir danach um den unechten Plastikweihnachtsbaum “Design Nordtanne” und sehen zu wie sich deine Familie ins weihnachtlich-seelige Koma säuft. Wir warten bis alle platt sind und schleichen uns ins Bad. Deine Mutter, der Schießhund, bemerkt uns und nur durch das Abschließen der Badtür sind wir in der Lage kurz allein zu sein, während sie vor dem Eingang unruhig ihre Runden dreht. “Ich liebe dich” flüstere ich dir zu und wir suchen nach dem Notausgang. Während wir überlegen, ob wir aus dem Fenster im ersten Stock springen und um unser Leben rennen, sagst du leise “Wieso machen wir das eigentlich jedes Jahr?”

Wieso eigentlich? Weil deine Mutter am Telefon so lange heult, bis du zusagst und überhaupt weil man das so macht?

“Schluss!”, schreie ich dich an, denn noch sitzen wir im Auto vor unserer Tür. Ich packe deine Hand und renne mit dir in unsere Wohnung. Wir werden jetzt alle Telefone ausmachen, ich bestelle genug Pizza für eine Woche und dann werfen wir uns auf den Flokati und lieben uns ins neue Jahr.

Zwar haben wir keinen Kamin aber wenn du willst, lade ich eine Kaminfeuer-iphone-Applikation runter. Und wir bleiben wo wir hingehören. In unserem “zu Hause”. Und wenn ich komme, schreie ich Ho Ho Ho und singe dir danach Last Christmas mit Afterglow.

Peripherie-Perforation

Ich gebe auf.

Ich bin einfach nicht im Geringsten geeignet für Büroarbeit.

Heute habe ich zwei von drei Kopierern des Hauses, das so verrückt war mich einzustellen, geschrotet. Beim ersten habe ich nur den Toner wechseln wollen. Aber ich vergaß, dass ich ja Superküken bin und habe den Toner mit samt Halterung und Kabeln aus der Maschine gerissen wie Chuck Norris in seinen besten Zeiten. Man kommt sich ziemlich blöd vor, wenn man vor so einer Maschine steht quasi mit dem noch zuckenden Herzen in der Hand. Und dem Gesicht und den Händen schwarz vom Tonerstaub. Und genau wie Superhelden es so machen, wenn sie Scheiße gebaut haben, sagte ich dem entsetzten EDV Mann, dass das wohl der Spast gewesen sein muss, der vor mir dran war.1

Der zweite Kopierer fraß aus mir nicht erklärlichen Gründen all mein Papier auf und explodierte wegen seines Verstoßes gegen die sechste Todsünde. Die abspringende Klappe flog direkt auf das nebenstehende Faxgerät, welches  in Panik ob der Kopiererterrorattacke in schrillsten Tönen piepte. In meiner Verzweiflung drückte ich sämtliche Tasten gleichzeitig, damit es endlich verstummt…

…ich hoffe es fällt keinem so schnell auf, dass jetzt alle gespeicherten Nummern weg sind.

So langsam glaube ich ja wirklich, dass mir irgendwo ein Gen fehlt. Und zwar genau das auf dem Gott in ihrer unendlich kleinen Handschrift geschrieben hat “Peripheriegeräte nach Gebrauchsanleitung benutzen”.

Vielleicht wäre das auch gar nicht passiert, dachte ich mir so, wenn nicht kurz vorm Kopieren mein Arbeitsrechner kaputt gegangen wäre. Und das nur weil ich mein Telefon so blöd auf die Tastatur fallen ließ, dass sich die F1 Taste verhakte und sich  drei Zillionen Windows Hilfe Fenster gleichzeitig öffneten bis der gänzlich überforderte Altrechner eine Herzattacke erlitt und die Beine breit machte.

Ich befürchte eines Tages nach getaner Arbeit die werkseigenen Prämissen zu verlassen und hinter mir liegt ein rauchender Schutt- und Ascheberg, auf dem ein weinender Techniker sitzt und vor und zurück wippt, während er leise meinen Namen flüstert.

“Karatekueken was here…”

  1. Erst später fiel mir ein, der “Spast” davor war mein Chef []

Apologetischer Erklärungsversuch via Parallelenaufbau zu Angela Lansbury

Disclaimer: Dieser Artikel dient der apologetischen Erklärung meiner Nichtanwesenheit der letzten Wochen. Vielen Dank an alle, die mich sanft darauf aufmerksam gemacht haben, dass ich gefälligst mal wieder posten soll. Ihr seid Inspiration und Grund für eine Schreibblockade zugleich.

Mit dem Schreiben ist das ja so eine Sache. Ich habe mir immer vorgestellt wie Angela Lansbury in “Mord ist ihr Hobby” an einer alten Schreibmaschine zu sitzen und zwar in einem Raum voller barocker Möbel. Mein Blick schweift über den Garten meiner Villa hinüber zum Meer und ich schreibe ohne nachzudenken denn – ich bin die Koryphäe auf dem Wort.

Die Wahrheit ist ein bisschen anders. Ich schreibe auf Helga, meinem Laptop und Helga ist nach 1,5 Jahren Dauernutzung recht müde geworden. Mal abgesehen davon, dass sie entscheidet wann der Text fertig ist, indem sie sich einfach zwischendurch verabschiedet, hat sie geringfügige Funktionsungereimtheiten. Das liegt vor allem daran, dass die Katze mit Vorliebe ihren Hintern auf der Tastatur parkt, wenn ich mal kurz einen Kaffee aus der Küche hole. Dabei schafft es Katze nicht nur mit ihrem Rectalmuskel Worte zu tippen, mein Mailprogramm zu öffnen und ihre anale Verbalisierung in die virtuelle Welt zu schicken. Nein. Sie kann auch Kartoffeldruck. Nur eben mit ihrem braunen Salon. Das wiederholte Desinfizieren der Tastatur nimmt mir Helga übel und straft mich damit, dass wichtige Tasten wie die Leertaste und das E nur willkürlich ihre Funktionen übernehmen.

Das mit der Villa hat auch nicht so ganz geklappt. Ich würde meinen Blick ja gerne schweifen lassen nur komme ich da nicht allzu weit. Mein Innenhof ist wie der in “Das Fenster zum Hof”. Nur dass mein Nachbarn den Hund nicht vergraben nach dem er gestorben ist, sondern aus ihm Stiefel basteln, denn im Winter ist es bei uns im Haus schweinekalt. So kalt, dass ich manchmal meine Hände in Mund und Hintern meiner Katze stecken möchte, um sie als Muff zu verwenden. Leider bemerkt Katze immer gleich wenn ich diesen Gedanken habe und verzieht sich leise unters Sofa.1

Aber eine Sache hab ich hingekriegt. Ich sehe nicht aus wie Angela Lansbury. Sowohl die achtziger Jahre Dauerwelle in rustikalblond als auch die pastell- bis bonbonfarbenen Klamotten sind an mir vorübergezogen. Und da man einen Laptop viel besser als eine Schreibmaschine auf die Beine legen kann, befinden sich auf meinem Schreibtisch meistens meine Füße. Das wiederum führt aber zu Problemen, die Angela Lansbury wahrscheinlich nicht hatte. Als Frau von Welt kann man sich in Sachen Unterwäsche ja nur zwischen funktionstüchtig aber börgs-hässlich oder schick aber völlig sinnlos entscheiden. Ich gehe stark davon aus, dass Angela ersteres in baumwollbeige mit eingesetztem Spitzendreieck aus Polyester an der Schamhaargrenze bevorzugt. Ich hingegen bin untenrum hübsch aber durchaus genervt, denn das Teilchen hat die Angewohnheit zu rutschen oder sich in den unsinnigsten Augenblick in mein Hinterteil verkriechen zu wollen. Wahrscheinlich hat Angela deswegen ihre eigene Fernsehshow und ich nicht. Die Frau ist einfach nicht abgelenkt von Katzen, Schlüpfern und außerdem hat sie noch alle Tasten auf ihrer Schreibmaschine.2

  1. Note to myself: Katze zu schlau. Nächste Haustier sollte am besten ein geistig völlig umnachteter Hund sein. []
  2. Das ist das Autorenequivalent zu “alle Tassen im Schrank” []

Von Jungs, Männern, Mädchen und Frauen

Da Karatekueken gerade in Arbeit erstickt und das FrlW dringend was loswerden musste, hier ihr Gastbeitrag:

Männer. Eine seltene Species. Ich weiss das, weil ich seit geraumer Zeit nach Ihnen Ausschau halte (aus rein wissenschaftlichen Gründen, versteht sich). Mehr oder weniger erfolgsneutral. Da sieht einer aus wie ein Mann und ist bei näherer Betrachtung doch wieder nur ein Junge. Nur eben einer in seinen 30ern oder 40ern. Berlin ist voll davon. Große Jungs. Prinzipiell ist das auch nix Schlimmes. Jungs sind toll! Mit Jungs kann man ne Menge Spaß haben, Jungs sind lustig und manchmal sogar interessant. Und sie machen Mädchen keine Angst. Das ist das Beste. Was aber, wenn man auch mal was anderes ausprobieren möchte? Wenn man kein Mädchen mehr ist und deshalb auch keine Angst mehr vor echten Männern hat? Wird man dann nicht automatisch in die Rolle der Mutti gedrängt, die ihrem Jungen erklärt, wie das Leben funktioniert? Weil es einem plötzlich wichtig ist, dass er weiss wie das Leben funktioniert. Ganz von alleine. Er hatte ja auch 30, 40 Jahre Zeit sich auf diesen sagenumwobenen Moment vorzubereiten. Zeit genug, müsste man meinen.

Aber warum sieht man dann so wenige? Und woran kann man Männer von Jungs überhaupt unterscheiden? Das Alter ist es offensichtlich nicht. Der Bartwuchs? Fail. Man schaue nur mal in den Friedrichshain: 90%ige Bartquote, aber Männer? Eher nicht. Vielleicht gibt’s ja Ausschlusskriterien? Der Besitz einer Playstation zum Beispiel. Aber ich kenne auch echte Männer, die sowas zu Hause haben. Also muss man’s wohl doch an subtileren Merkmalen fest machen. An der Ausstrahlung ablesen. Da kommen wir der Sache schon gefährlich nahe. Männer strahlen Verantwortung aus. Nicht unbedingt für andere, aber für das eigene Handeln. Sie wissen, dass Mutti ihnen nicht mehr Entscheidungen abnehmen wird, wenn sie nur lange genug mit einer eigenen Entscheidung zögern. Sie wissen, dass alles was sie tun und sagen Konsequenzen hat. Und dass Konsequenz nicht pauschal “Strafe” heisst. Deshalb erklären sich Jungs, wenn sie etwas angestellt haben (weil sie so früher bei den Eltern manchmal noch der Strafe entkommen konnten) und entschuldigen sich Männer (weil sie keine Strafe fürchten, sondern ihnen wichtig ist, die z. B. ausgelösten Verletzungen beim Gegenüber zu mildern).

Männer sind keine fertigen Menschen. Genauso wenig wie Frauen. Aber sie haben eine bestimmte Quote an im Leben benötigten Fähigkeiten erlernt. Kommt man mit einem solch seltenen Objekt zusammen, fängt man automatisch an sich gemeinsam weiter zu entwickeln. Was man eben so macht in einer Beziehung. Allerdings muss man nicht ständig innehalten und in die “Grundlagen des menschlichen Miteinanders”-Kiste greifen, um Standards zu lehren, die er vor 10,20,30 Jahren hätte gelernt haben müssen. Deshalb kommt man mit Jungs auch kaum voran. Man verbringt mehr Zeit damit, Versäumnisse der Vergangenheit auszubügeln als sich entspannt die Seele aus dem Leib zu vögeln (dieser Einwurf dient nur dazu, kurz vor Ende des Blogartikels noch einmal Aufmerksamkeit zu generieren, Anm. d. Red.). Und als Frau (so man das Stadium selbst schon erreicht hat) fragt man sich dann natürlich, wie man bestimmten Lernprozessen entgehen konnte ohne sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt zu haben.

Ich werde weiter Ausschau halten nach der seltenen Species Mann. Aus rein wissenschaftlichen Gründen, versteht sich. Und vielleicht habt Ihr bis dahin noch Ideen und (Lebens-)erfahrungen, wie man Mann (bzw. Frau, denn umgedreht funktionierts genauso) von Jungs/ Mädchen unterscheiden kann.

Von Gottesanbeterinnen und Brüllkotzern

Das Haus, in dem ich ein Dachgeschoßkabuff mein eigen nenne, ist wahrscheinlich das repräsentativste Berliner Hinterhaus Berlins. Man sollte Kolonnen dankbarer Touristen hierher führen und ihnen einen Rundgang anbieten:

Meine Damen und Herren,

die überdimensionierte und völlig aus dem Ruder gelaufene Bepflanzung sämtlicher zur Verfügung stehender Grünflächen mit Efeu, war eine Meisterleistung an Idiotie des hiesigen Hausbesitzers. Nachdem diesem angetragen wurde, dass Efeu immer grün ist, ignorierte er wohlwollendend den Fakt, dass diese Pflanze hochgiftig ist und sich außerdem vermehrt wie ein Unterschichtenpärchen aus Marzahn bei monatelangem „Bauer sucht Frau” Entzug durch selbst angeeigneten Stromausfall. Seitdem wuchert jene sinnfreie Kriech-, Kletter- und Im-Weg-Rumlieg-Pflanze so unerbittlich, dass kleine Vögel, die ihr zu nahe kommen sich im Dickicht verfangen und nie wieder herausfinden. Kleinkinder sind auch schon verloren gegangen – das ist hier im Prenzlauer Berg aber gar nicht tragisch, da diese, im Gegensatz zum Spatz mit Nichten auszusterben drohen.

Folgen Sie mir nun in den ersten Stock, Seitenflügel rechts. Hier befindet sich die Fraktion des gemeinen Berliner Mietshaus Wahnsinnigen. Es ist üblich, dass in jedem Mietshaus mindestens ein geistig Umnächtigter oder Verrückter lebt. Wir nennen das Integration aller Bevölkerungsteile im Kleinprojekt Hausgemeinschaft: kurz IaBiKHG.

Der hier ansässige Verrückte zeichnet sich vor allem durch ungemein schrecklichen Musikgeschmack aus -  ja, der „rhythm” ist hier noch immer der „dancer”, denn jener Bewohner befindet sich geistig immer noch im „Summer of ´69″. Sanfte Hinweise, die andere Hausbewohner in gewohnt liebevoller Berliner Art über den gesamten Innenhof rufen, achtet der hier ansässige Quotenwahnsinnige liebevoll und bedankt sich damit, dass er dem Rufenden die Tür – wahlweise auch die Fresse einschlägt. Sie sehen, soziale Interaktionen werden hier großgeschrieben, vor allem auf dem Protokollbogen der Polizei.

Gehen wir nun an der Fahrräderkolonie links vorbei. (Bitte beachten Sie, 30% dieser Räder stehen hier denkmalgeschützt seit 10 Jahren und üben sich in geschmackvollem, kunstfertigen Verrosten, die anderen 70% erfahren messianische Benutzung bis die nächste Kolonne Fahrradknacker kommt, um die Geräte liebevoll von ihren Ketten und Besitzern zu trennen, die sich das gute Stück Sonntags drauf auf dem Boxi wieder kaufen können.)

Im linken Seitenflügel, 1. Stock befindet sich die Wohnung von Herrn S. Dieser hat seine Bleibe billig erstanden. Er musste nur die menschlichen Überreste des Junkies vom Boden lesen, der ungeschickterweise ein wenig zu viel des guten Stoffes in sein System gegeben hatte. Glücklicherweise hat sich Herr S. an den modrigen Todesgeruch gewöhnt und auch an die Tatsache, dass aus der angekündigten Renovierung des Hauses nur eine Modernisierung wurde.

Modernisiert wurde an diesem Haus aus dem Jahre 1900 so einiges, werte Zuhörer. Nur nicht die Heizungen, Rohre, Fenster, Böden, Wände und Treppen. Dafür gibt es seit ein paar Jahren wahnsinnig moderne Graffitis in allen Hausfluren, die wöchentlich erneuert und verfeinert werden. Gern auch  mit einer neuartigen Mischung aus Eigenexkrementschmierkunst, versehen mit dem fein säuberlich getaggten Namen des Verursachers. Gesehen wurden diese Modernisierer noch nie, man nimmt jedoch an, dass sie unter einer Art Gedächtnisschwund leiden und gleichzeitig eine ausgeprägte Profilneurose haben. Das erklärt wieso sie zwanghaft überall ihre Namenstags hinterlassen müssen. Anthropologen halten dieses Verhalten auch für die moderne Form des Balzens und Markierens. Die Masse an Namenstags steht dabei wohl in indirekter Proportionalität mit der Größe des Geschlechtsteils.

Gleich über Herrn S. wohnt übrigens Frau K. Hiesige allein stehende Dame in ihren Dreißigern bereichert die Hausgemeinschaft vor allem durch ihr reges Sexualleben, an dem sie gern alle teilhaben lässt. Hierzu öffnet sie sämtliche Fenster in Richtung Innenhof und profitiert somit von ihrer ausgezeichneten physikalischen Lage, die dem Wort „Schall” ganz neue Dimensionen verleiht. Während des Geschlechtsaktes mit mal mehr – mal weniger geschickten männlichen Sexualpartnern bestaunt sie nicht nur lauthals das Rüsseltier, dessen sie sich gleich bemächtigen wird, sondern kommentiert gern ausgiebig ihre Beziehung zu Gott. Solch überschwängliche Ehrerbietungen sind in der durchschnittlichen Hausgemeinschaft keine Seltenheit, meine Damen und Herren. Allein die Ausdauer, die diese Bewohnerin an den Tag legt, ist wahrlich unübertroffen. Es ranken Legenden um eine laue Sommernacht im Jahre 2007, in der Gott fünf Stunden am Stück angerufen wurde, bis ein Nachbar das Kommunikationsmedium No. 1 – den Berliner Hinterhofzuruf -  zu Rate zog und liebevoll anfragte, ob sie denn jetzt endlich mal kommen könnte. Sie tat wie ihr geheißen -  ungefähr zwei Stunden später.

Jener Zurufer im Übrigen stellt eine weitere typische Kategorie des Berliner Mietshauses dar. Den Alki. Im, sowohl als auch außerhalb des Suffs bespricht dieser täglich die Ungnädigkeit des „Amtes” im Brüllkotzton mit seiner Frau (ebenfalls im Suff). Dabei ist aus Tonfall und Wortwahl meist nicht zu erkennen, ob er die Ungerechtigkeiten der Welt tatsächlich seiner Frau oder seinem verwahrlosten, völlig psychotischen Pudelhund zukommen lässt. Spannend zu beobachten ist weiterhin, dass sich die Spezies des Hausalkoholikers niemals weiter als 100m vom Wohnort entfernt. Es wird vermutet, dass der Pegel nur bis dahin reicht und man deshalb lieber in der Nähe des heimischen Bierkasten/Frau macht was zu essen/Fernseher läuft Gebildes bleibt.

Gleich gegenüber des Alkis wohnt übrigens der traurige Singlemann, dessen serielle Monogamie nur unterbrochen wird von seinen Kumpelabenden. Die hierbei veranstalteten Rülps- und der „Wer-am-meisten-das-Wort-„Alldaaa”-benutzt” Wettbewerbe sind eine willkommene Abwechslung. Vor allem im Alltag des Jungverheirateten einen Stock über ihm, der durch bloßes Zuhören weiß, was er nie wieder haben wird. Außer seine junge Ehefrau verbringt mal Überstunden in „der Agentur”. Dem wird nur bald nicht mehr so sein, haben sich beide doch vom Vermehrungswahn der Prenzlberger anstecken lassen und ein weiteres ungehorsames Malte/Cheyenne/Marie-France-Venice Kind gezeugt. Schon bald werden beide mit dem Frischling ihren Lebenshass auf der Straße durch das Benutzen des Kinderwagens als Bulldozer Ausdruck verleihen.

So liebe Zuhörer, mehr können wir ihnen leider nicht zeigen. Sie wissen ja wie das ist. Das Beobachten fremder Völker und Kulturen sollte auf ein Minimum beschränkt werden, damit sich die Einheimischen in ihrem Tun nicht gestört fühlen. Wenn Sie möchten können sie jetzt aus Spaß ein Fahrrad klauen oder das „Keine Werbung” -Schild zum zigsten Mal vom verbeulten Briefkasten kratzen und einem Bewohner ihrer Wahl in selbigen scheißen. Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit.

Lieb dich, du Sau. Sofort!

Ich muss jetzt mal ein Plädoyer halten für etwas, dass im Alltag immer schnell vergessen wird.

Selbstliebe.

Das ist kein verklausuliertes Wort für Masturbation, sondern so ein komisches Konzept, dass besagt, dass man sich selbst gern haben soll. Und das geht ja mal gar nicht. Hand hoch wer sich selber dufte findet!

Und jetzt Hand hoch wer sich irgendwie doof findet. Zu klein, zu dick, zu doof, zu hässlich, zu ________ (fill in the blank).

Ja klar, es gibt auch hier und da ein paar Sachen die man gut kann, die man hübsch findet. Ich habe zum Beispiel einen sagenhaft schönen Zeh. Aber das reicht natürlich nicht. Irgendwas ist immer Scheiße, irgendwas stimmt immer nicht. Und man ärgert sich über sich selber und findet sich doof.

Lacan sagt, dass der Mensch sich als Kleinkind im Spiegelstadium im Spiegel betrachtet und sich fälschlicherweise für perfekt hält. Und irgendwann schnallt er, dass es so nicht ist und rennt wie ein Idiot diesem Bild nach. Nun, ich bin mir nicht sicher, ob Lacan da was total Schlaues sagt, oder ob er einfach ein bisschen zu lang in Spiegel geguckt hat…aber grundsätzlich hat er schon recht. Warum zum Donnerdrummel1 reicht es einem nicht man selber zu sein? Fehler included.

So geht das jetzt nicht weiter. Selbsthass ist so “in” wie Steghosen und Schulterpolster. Und deswegen machen wir das ab heute anders. Wir – das bedeutet ich und du lieber Leser, denn ich bin ein großer Fan von Interaktivität.

Hiermit rufe ich den Aktionstag Selbstliebe aus. Wann auch immer du diesen Text liest, ab heute hast du dich gefälligst lieb, sonst gibts Dresche!2 Scheiß egal was an dir alles nicht passt und was alles doof ist. Und wenn du aussiehst wie der Glöckner von Notre Dame – siehs positiv – immerhin brauchst du mit so einem Buckel nachts kein Kissen. Und du kannst kleine Kinder drauf reiten lassen und sie damit abhalten in Lacansche Spiegel zu gucken.

Sich selbst zu lieben ist wahrscheinlich drei Zillionen Mal schwieriger als andere Leute toll zu finden. Aber auch hier, wenn die anderen den Arsch in der Hose hätten einem zu sagen, was sie so schätzen, würde das auch helfen sich selbst mehr zu mögen. Das heißt, ab heute wird zweigleisig gefahren. Ab heute wird sich auch getraut anderen Leuten zu sagen, was toll an ihnen ist.

Ich werde das jetzt ausprobieren, auch bei Fremden auf der Straße. Das wird ein spannendes Experiment, vor allem hier in Berlin. Hier in der S-Bahn zu stehen und jemandem zu sagen “Hey ich mag dein Lächeln. Das macht dich richtig sympathisch!” könnte unter Umständen dazu führen, dass man plötzlich mit dem Kopf außerhalb der S-Bahn weiterfährt. Wenn man Glück hat, wird man nur für einen dieser dauergrinsenden Jesusjünger gehalten und kriegt einen Euro als Spende in die Hand gedrückt.

Sollte ich nach diesem Eintrag nie wieder bloggen, wars dann doch die erste Variante. Aber vielleicht schaffe ich es dann noch in den Berliner S-Bahn Fahrwind zu rufen: Ich lieeeeebbeeee mich!

P.s. Wer auch immer du bist: Du bist toll. Lass dir keinen Scheiß einreden, vor allem nicht von dir selber. Und sobald du rausgefunden hast wie das geht, schreib mir…

  1. Dieser Ausdruck ist geklaut. Ich danke der Quelle für diese Wortschatzbereicherung, gebe sie aber nicht preis. []
  2. Ich kenne rumänische Schläger, Computerhacker, einen Anwalt und ich habe Zugang zur gesammelten Romy Schneider Filmkollektion, bestehend aus 58 meist sehr qualvollen Filmen, also untersteh dich! []

Pornofilmtitel, die ich befürworten würde…

“Enddarm auf links” (Sanftes Fisten ausgeschlossen)

“Wir ficken für den Weltfrieden” (der politische Porno)

“Wurstpresse Vol.1″ (eine gemeine Nymphomanin, die ausschließlich Brustverkehr betreibt)

“Freunde der Gesichtsbesamung e.V.” ( Verein der Bukkake Liebhaber)1

“Spider-Musch” (Oma hatte lange keinen Besuch untenrum)

“Bums-Valara” (zünftiges Bumsen der Hauptdarstellerin “Valara” zu Blasmusik [sic])

“Der Rügenwalder Deckhengst” (Kurzzusammenfassung hier)

“Horch wer kommt von draußen rein?” (The TRUE Weihnachtsmannstory)
“Schneeheißchen und Mösenrot” (die zwei geilen Schwestern)

“Ramm-bo” (Welt retten, ficken, Welt retten…)

“Liebling, ich hab mir den Penis aufgepumpt…” (das Prequel zu “Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft”)

“Mein Krampf” (für Scheidenkrampf-Fetischisten)

“Lord of the Scheiß” (anales Gedöns im wahrsten Sinne)

“Hausbesuch von Dr. Ficksahne” (aus dem Alltag eines auf Hausbesuche spezialisierten Gynäkologen)

tbc…

  1. dieser Titel ist dann für die eher wissenschaftlichere Kundschaft []

Die Sissi-Frauen

Romy Schneider hat mich nie wirklich interessiert. Das liegt daran, dass sie einem in Deutschland zwangsläufig als erstes mit ihren SISSI- Filmen über den Weg läuft. Und die haben mich schon im Kindesalter beim heimlichen Westfernsehen gucken abgeschreckt. Gott sei Dank hatte ich damals nur einen Schwarz/weiß Fernseher zur Verfügung und wusste nicht um die Buntheit der Inszenierung.

Auch später konnte ich nicht an SISSI ran, auch wenn jedes Jahr zu Weihnachten ausreichend Möglichkeit dazu bestand. Meine Aversion vertiefte sich noch weiter, denn die einzigen Menschen, die ich so richtig von diesen Filmen schwärmen hörte, waren Frauen. Genauer gesagt eine ganz bestimmte Art von Frau. Nämlich die über 40 mit einem Hauch zu viel Körperfettschwungmasse, als dass sie noch in die politisch korrekte Kategorie “vollschlank” fallen würde, ausgestattet mit praktischem Kurzhaarrschnitt1 und itsy-bitsy kleinem Damenrucksäcken, die den Hintern, auf dem er aus Platz- und Anatomiegründen aufsitzt, nicht wirklich in ein schmeichelhaftes Licht rücken und einem übergroßen Diddlmausanhänger ihrer Wahl.

Ich glaube irgendwie hatte ich Angst, dass man nach drei Stunden

Er (mit österreischem Akzent): “Sissy!”

Sie (mit Zuckergußstimmchen und Caroline Reibers rollendem R): “Franzl!!”

plötzlich seine Frisur seinem Schamhaar anpassen und Miniaturrucksäcke in Imitatleder kaufen möchte.2

Dank meiner pathologischen SISSI Phobie habe ich es dann irgendwie geschafft gar keinen Romy Schneider Film zu gucken und das muss man erstmal hinkriegen, schließlich hat die Frau mal eben 58 Filme gemacht.

Doch mein Schneider-freies Leben ist nun beendet. Denn seit letzter Woche darf ich aus beruflichen Gründen ganz viele Romy Filme gucken müssen. Und ich muss sagen die meisten sind grottenkacke, gerührt und nicht geschüttelt.

Da man aus Gründen der Allgemeinbildung aber schon wenigstens so ein bisschen was wissen sollte, hier meine “Serviceleiste” mit den wirklich relevanten Facts über Romy Schneider:

  1. Romys Mutter hieß Magda, sah aus wie die angefettete, überkonservative Aldiversion von Romy und konnte nur halb so gut schauspielern wie ihre Tochter. Was irgendwie doof ist, wenn man bedenkt, dass Romy nicht schauspielern kann.
  2. Romy musste ganz viele Mutter-Tochter Rollen mit Magda zusammen spielen, in denen Magda meist eine Kittelschürze trägt, die sie während des Film aus Gründen der (Für)sorge in ihren Händen zerknüllt.
  3. Romy hatte in allen 58 Filmen komische Frisuren: mal einen Mittelscheitel mit der Axt gezogen (ROBINSON MUSS WEITER LEBEN), mal die Haare mit Zuckerwasser lebenslänglich an der Kopfhaut befestigt (SWIMMING POOL).
  4. Irgendwie rekelt sich Romy in ihren französischen Filmen des Öfteren nackisch auf Flokatis.
  5. Überhaupt ist sie dauernd nackisch.
  6. Romy hat komische Nippel, aber ihr Hintern ist allererste Sahne.
  7. Romy spielt ganz oft eine Frau in einer Beziehung, in der nicht mehr gepimpert wird, bis das Pärchen einen Mord begeht, mit anderen vor den Augen des Partners schnackselt oder sich mit Zweigen den Popo versohlt. Das klingt alles kinky und lecker. Is aber meist nur langweilig, schnöde inszeniert und langatmig.
  8. Romys Filmkleider (Yves Saint-Laurent, Coco Chanel) sind absolut genial, lassen sie aber ganz oft wie ein Requisit und nicht wie eine Schauspielerin aussehen.
  9. Romy spielt irgendwie immer die gleiche Art von Frau: fragil, schwach, mit überbordender Liebe und in späteren Jahren gebrochen. Nach spätestens drei Filmen wünscht man sich sie würde einmal aufstehen, dem Typen, der sie fertig macht, so in die Eier treten, dass er sie sich vom Beckenboden kratzen muss und dann – ohne jemals wieder zu lamentieren – nach Amerika auswandern und breitbeinig auf Pferden oder wahlweise jungen Cowboys reiten.

Im Grunde genommen verkörpert sie immer die Art von Frau, die Judith Butler in ihrem Grab in einer Endlosschleife routieren lassen würde – wäre Judith Butler schon tot. Deshalb kann ich leider aus feministischen Gründen die Verehrung dieser Frau nicht teilen. Aber jetzt wundert mich nicht mehr wieso die zu dicken Frauen mit den zu kleinen Rucksäcken so auf sie abfahren.

*Schmacht*

  1. hinter kurz, vorn “verspielt” mittelkurz, den Rest einmal ordentlich mit Minilöckchen versehen und toupiert bis der Arzt kommt []
  2. Sollten sich jetzt genügend Menschen melden, die mir glaubhaft bestätigen können, dass es nicht so ist, dann gucke ich mir den Mist an. Ich schwörs! []

Wie es gewesen sein wird…

Heute abend werde ich mich ins Kino begeben, um der Neubearbeitung einer meiner liebsten Kindheitserinnerungen beizuwohnen: Star Trek.

Und ich weiß jetzt schon wie es heute abend gewesen sein wird: TOLL!

Wie ich das sagen kann, ohne den Film zu kennen? Ganz einfach. Der Film ist mir scheiß egal.

Ich werde heute abend im abgedunkelten, kinematografischen Raum gesessen haben, in einem roten Plüschsessel, unter mir Milliarden und Abermilliarden ein- bis mehrzellige Lebewesen, die aus dem Polster heraus entweder mitgeguckt oder meinen Arsch bewundert haben werden.

Neben mir und um mich herum werden die mir liebsten Kinomitgucker gessen haben. Ich hoffe es wird was zu lachen gegeben haben, denn eigentlich warte ich bei Filmen immer nur darauf, die quiekende Styroporlache meines besten Freundes zu hören. Ich hoffe es wird tolle Körper gegeben haben, denn ich liebe es zu sehen, wie das Frl. W. verschmitzt auf Muskeln starrt, anstatt der fein ausgeklügelten Handlung zu folgen. Ich hoffe der Film wird ein bisschen schlecht gewesen sein, damit das Glückskind sich danach den Bart ein bisschen streichelt und kluge, kritische Worte zum Thema findet. Ich hoffe der Film wird unterhaltsam gewesen sein, damit der Herr Redeemer danach mit diesem zufriedenen Gesichtsausdruck aus dem Kino schlurft, als hätte er gerade eine Gratisportion seines Lieblingseis1 bekommen.

Und ich? Ich werde auf die Leinwand geschaut haben. Und daran gedacht haben, wie ich als Kind die Luft mit anhielt, wenn der “echte” Captain Kirk in Großaufnahme seinen Bauch eingezog und nicht mehr atmete, damit keiner bemerkt, dass man im Weltraum auch übergewichtig werden kann. Und ich hoffe Spock wird sich mit dieser Geste verabschiedet haben, die, so man noch eine Zunge durch die Öffnung strecken würde, eine Geste für Lesben ist.2 Und ich will gesehen haben, wie Scotty irgendwen irgendwann irgendwo hinbeamt. Und Uhura den Knopf in ihrem Ohr festhält, um die intergalaktische Nachricht besser zu verstehen.

Da meine Ansprüche an den Film so gering gewesen sein werden, werde ich eigentlich da gesessen haben und mich die ganze Zeit gefreut haben, dass es solche Abende gibt, mit solchen Menschen. Menschen, die ich nie vergessen werde, Menschen, die mich prägen. Die in meiner Biographie in mindestens einem Kapitel stehen werden. Gerne auch in allen, die jetzt noch kommen mögen.

Das sind die Augenblicke, in denen mir wieder einfällt, dass man andere nicht wegen ihrer perfekten Seiten liebt, sondern wegen ihren kleinen Ungereimtheiten. Den kleinen Dummheiten, Ekligkeiten, Menschlichkeiten.

Dem Essen im Bart, den Flusen im Bauchnabel, den schiefen Beinen, den absurden Angewohnheiten, den zerzausten Haaren, den zu großen Bäuchen, den Sprachfehlern, den Ticks, den Schluckaufs, den Gesichtserrötungen, den angewachsenen Ohrläppchen…

Das sind auch die Augenblicke, in denen mir bewusst wird, wie sehr ich immer versuche perfekt zu sein (was regelmäßig dazu führt, dass ich genau das Gegenteil davon verursache – und zwar gern in der peinlichen und öffentlichen Variante.).

Und deswegen weiß ich auch was heute Abend noch geschehen sein wird. Ich werde dort gesessen haben und mir meine unperfekt-perfekten Freunde angesehen haben und mich dann einmal gehen gelassen haben und für den Bruchteil einer Sekunde werde ich einfach nur ich gewesen sein. In all meiner Imperfektion.

Ich werde heute Abend als Statement für mich und die Nachwelt diesen roten Plüschsessel und die Milliarden und Abermilliarden ein- bis mehrzellige Lebewesen, die aus dem Polster heraus entweder mitgeguckt oder meinen Arsch bewundert haben, mit dem mir biologisch größtmöglichen Pups versehen haben.

Trööööööööttt…

Ein Furz für die Freundschaft!

  1. Walnuss, wenn ich mich recht entsinne []
  2. Der Arme. Eine scheiß Frisur, kein Spass im Leben und dann ist die heimatliche Begrüßung eine halbe Muschileckgeste. []

The Helga conspiracy

Ich will ja nicht auf ganz hohem Niveau maulen, aber als großbusige Blondine hat man es manchmal ganz schön schwer. Aufgrund meines exzessiven virtuellen Lebens hat Helga – mein geliebtes Notebook- letztens einfach ihre Beine hochgerissen und Zwangsurlaub via Grafikchipzerstörung eingefordert.

Ich wünschte Helga und ich hätten vorher darüber geredet, wie man das in einer guten Beziehung eben so tut. Aber Helga ist eher von spontaner Natur. Also habe ich meine Geliebte in den Wellnessurlaub mit Grafikchipmassage und allem Drum und Dran zum “Spezialisten” geschickt. Der hat die Gute für die lächerliche Summe von 200 Euro nackig gemacht, durchgecheckt und ihren losen Grafikchip wieder befestigt.

Sagt er zumindest.

Als ich Helga aus dem Urlaub abholte, hatte ich schon ein romantisches Wiedersehen vorbereitet. All inclusive. Ihre Lieblingsinternetseiten. Eine Datenträgerbereinigung, ein bisschen Vorspiel in der Systemsteuerung und weil sie so ein tolles Mädchen ist, sogar den neuen “Karatekueken-Wallpaper”1

Helga war sehr leise und traurig an diesem Abend und nach genau zwei Stunden kollabierte sie seufzend in meinen Armen.

Also bin ich wieder zurück zu diesen Klempnern, Kurpfuschern, Wurstfinger-in-meine Helga-Steckern PC-Spezialisten, um freundlich zu beklagen, dass ich mit der Gesamtsituation unzufrieden bin. Im Laden angekommen, wankte ein riesiger, behaarter Mann auf mich zu. Freundlich und kompetent gab ich Auskunft und schilderte das Problem. Der Herr Spezialist schaute mir lange auf das, was er als Augen identifizierte hatte – nur hatte er sich getäuscht. Es waren meine Brüste. Dann lächelte er ein Lächeln, dass man auch gerne dummen Kindern oder geistig behinderten Mitbürgern im Dutzend hinterher wirft, bevor man ihnen einen Keks zusteckt und sie im Keller einsperrt und grunzte:

“Aber Sie haben nisch versucht das Display hochkant zu benutzen?”

Dabei machte er belustigt Bewegungen, die veranschaulichen sollten, wie ich versuche mein Display aus der Verankerung zu reißen, um etwas hochkant zu betrachten.

Ich starrte ihn an. Er mich (na ja, eher meine sekundären Geschlechtsmerkmale), sonst hätte er die Verfärbung von rosa zu rot zu dunkelrot in meinem Gesicht bemerkt. Es vergingen einige Sekunden, in denen ich für sein eigenes leibliches Wohl hoffte, der Gute würde einen ganz ganz dummen Witz machen. Schnaufend bemerkte ich, dass es ja wohl einfacher wäre so ein Unterfangen in den Displayeinstellungen vorzunehmen, anstatt das Display aus dem Scharnier zu rupfen (welches im übrigen in einem einwandfreien Zustand ist…).

Der neandertalische PC-Experte lachte darauf laut und sagte entschuldigend: “Na ja, die meisten Frauen haben ja eh keine Ahnung”.

Das ist es also, dachte ich mir, was nach Jahrzehnte langem Kampf um Emanzipation und Gleichberechtigung bei manchen Männern angekommen ist. Nüscht. Da verbrennt man BHs auf der Straße, liest langweilige Emanzipationsliteratur, redet öffentlich über die Macht seiner Vagina, schert sich die Haare kurz, zieht sich Hosen an, die immer den Schlüpfer in die Poritze drücken und trägt sein Gepäck selber, obwohl man dabei fast zugrunde geht – für nüscht.

Kurz kontemplierte ich darüber, ob es sich lohnen würde ihn ganz emanzipatorisch mit den Eiern voran in den Kartenleserschlitz seines eigenen PCs zu stopfen, um ihm dann zu demonstrieren, wie sich eine Geburt in rückwärts und anal so ungefähr anfühlen würde, aber …ach … ich bin Pazifistin.

Mit dem bösesten aller Lächeln – dem das Mutti aufsetzt bevor sie dich verbal kastriert und vor deiner neuen Flamme erzählt, wie du es damals als Kind nicht mehr aufs Töpfchen geschafft hast – sagte ich ihm freundlich, dass ich Helga morgen abholen werde und jetzt leider keine Zeit mehr habe weiter an seinem Neandertalerkurs teilzunehmen. Denn leider müssen ich und meine Brüste jetzt nach Hause an den Herd zurück, Essen kochen und danach meinen Ehemann dabei bestaunen, wie er mit der Fernbedienung umgehen kann.

Leider befürchte ich, dass der beinhaltete Sarkasmus am Brust/Bauch/Nacken/Rücken/Schulter/Gesichtshaarkleid des Herrn Spezialisten einfach abgeprallt ist. Vielleicht werfe ich nächstes Mal doch mit brennenden BHs.

  1. hier nochmal ein riesiges Dankeschön an den Herrn Shortee vom Skizzenblog, der auch den tollen Header gemacht hat! []

Bananenshake

Im Urlaubsort unserer Wahl ist alles ein bisschen anders. Um solche Erfahrungen zu machen – die man dann unter der Kategorie Exotik abspeichert- fährt man ja weg.

Im Gegensatz zum europäischen Standard haben die ortsansässigen Katzen beispielsweise viel kleinere Köpfe und durchschnittlich ein Auge zu wenig. Nicht anders verhält es sich mit anderen einheimischen Gewächsen. Der Urlaubsort unserer Wahl rühmt sich damit die kleinste Banane zu produzieren, die weit unter der europäischen Banane im Fruchtgewächsgrößenvergleich liegt. Das gilt auch für die ortsansässigen männlichen Geschöpfe der Gattung Mensch. Alle unter 1.70m, Haare nur an Stellen wo sie eh unnötig sind und na ja…wie die Banane des Mannes…

Im Gegensatz dazu sind die lokalen Damen überdurchschnittlich. Überdurchschnittlich groß im Brust- und Hüftbereich, überdurchschnittlich behaart oberhalb der Lippen und mit Stimmen ausgestattet, die, wären sie eine Disko in Deutschland vom Amt wegen Lärmbelästigung dicht gemacht würden.

“Also nüscht mit im Urlaub vögeln.” lamentierte das Frl.W.

“Nächstes Mal suche ich den Urlaubsort aus.”, wehklagte ich zurück, “Wo werden eigentlich die größten Bananen und die saftigsten Melonen auf dieser Welt gezüchtet?”

Aschenbrödel reloaded

“Wir machen es wie in 3 HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL”, sagte ich zum Frl.W., “wir bringen unseren Freunden das mit, was uns als Erstes in den Schoss (optional die Hände) fällt und uns an sie erinnert:”

Gesagt, getan. That’s the way Filmnerds like it. Schon bald fanden wir etwas fürs Glückskind. Ein Geschenk genau wie sein Charakter: süß, bunt, irgendwie funktional, vor allem in der Küche. Und auch für den Herrn André fiel uns was auf. Sein Geschenk war jung, männlich, groß gewachsen und braun gebrannt. Und an der spärlichen Bekleidung konnte man erkennen, dass er auch noch Geld und Geschmack hatte.

Jung, knackig, reich…das reicht als Schnittmenge für ein Geschenk. Aber wie kriegen wir den nach Hause?

“In Folie wickeln und als Schinkenbein verzollen”, philosophierte Frl.W., die nie um eine Antwort verlegen ist.

“Hmm…ist das nicht Menschenhandel?”, fragte ich, die Stimme der Vernunft imitierend.

“Hast recht.” sagte Frl.W.

Da wurde uns klar, dass das mit den Nüssen für den Herrn André logistisch eindeutig schwieriger werden wird, als diese kleine Aschenbrödelnummer.

Körperfasching

Es gibt so tage da verschwimmen Grenzen. An manchen die von gut und Böse, an anderen die des guten Geschmacks. Letzteres vor allem im Urlaub. Wenn man denkt man müsse einen Strohhut un ein buntes T-Shirt mit dem Urlaubsortsnamen und kitschigen Palmen kaufen. Und das Ensemble dann auch noch tragen, damit unsäglich bescheuert aussehen und sich auf Kilometer als Tourist zu erkennen – und damit zum Abschuss frei- geben.

Nun befanden sich das Frl. W. und meine Wenigkeit auf eben diesem Weg – auf dem Weg in den Urlaub. Die Notwendigkeit desselbigen ließ sich leicht an den Augenringen ablesen, deren weiteste Ausläufer gerade die untere Obergrenze meiner Nippel erreicht hatten. Frl.W. sah mit nichten besser aus, nur dass ihre Augenringe die oberste Untergrenze selbigen Körpermerkmals erreicht hatte, was nicht bedeutet, dass Frl.W. fertiger war als ich., sondern dass ihre Nippel einf Stück weiter oben wohnen als meine. Das mag jetzt danach klingen, dass ich mal wieder abschweife – ich gebe zu ich habs ein wenig mit Nippeln aber die sind nun mal grenzmarkierende Körperpunkte, sprich die Mitte der Brust und Brüste verschwimmen eben auch gerne mal – vor allem im Alter.

Wie ich so im Bus nach Tegel stand, sah ich einen älteren Mann so um die 60 Jahre. Kurze Haare, weiche Gesichtszüge. Nach mehreren Minuten – denn nicht nur Gottes Wege sind unergründlich sondern auch die Wege meiner Gedanken und das dauert dann dementsprechend lange – fiel mir auf, dass besagter Mann eine Frau sein musste. Sofort fixierten meine Augen ihren Brustkorb auf der Suche nach einer eindeutigen Geschlechtszuordnung. Aber da war nichts. Nächster Blickpunkt: Beule in der Hose. Fehlanzeige. Aber warum hatte er/sie 4 Arme? erst da entschied sich mein Gehirn die Wahrheit zu erkennen. Zwischen zwei funktionstüchtigen Armen lagen/hingen/entspannten zwei Brüste, deren Ende (angezeigt durch die Platzierung der Nippel) – zugegebenermaßen unvermutet – auf ihren Oberschenkeln befand.

“Das nennt man also Schlauchbrust”, dachte ich fasziniert vom offensichtlichen Verschwimmen üblicher Körpergrenzen. Dabei starrte ich wohl ein wenig zu offensichtlich, so dass die Beschlauchte dachte, ich wöllte den Sitz neben ihr einnehmen auf dem ihre Tasche stand. Sie konnte ja nicht ahnen, dass ich vielmehr darüber sinnierte, zu welchen Zwecken man solche Körperausstülpungen noch benutzen konnte. Irgend einen zweck musste das Ganze ja haben und Kinder stillen konnte es ja nicht sein, außer man legt den Infanten dazu auf den Boden vor sich. Obwohl, wenn man das Kind per Tragetuch auf den Rücken schnallt und die Brust nach hinten über die Schulter wirft, könnte man eine Art Sebstbedienungsmilchzapfanlage einrichten.

Aber mit 60+ hat man ja tendenziell keine Kinder mehr und die Milchsuche gestaltet sich eh wie die Suche nach Wasser in der Wüste Gobi. Was ist also ihr Zweck und wieso so viele schlauchbebrustete Damen nicht die Notwendigkeit einen BH zu tragen? Mit gekonnter Falttechnik (ich tippe mal auf so eine Art Zick-Zack Faltung) könnte man die Brust in das BH Körbchen einbringen und zwar so, dass auch der Nippel wieder an der Stelle steht, an der man ihn üblicherweise vermutet.

Doch plötzlich vielen mit ganz viele Möglichkeiten ein, die eine rundbusige Frau eben nicht hat. Zum Beispiel auf Reisen. Wohin mit der Reisekasse? Einfach unterklemmen. Da fällt nichts raus und keiner – weder Dieb noch der Zollbeamte – käme ja auf die Idee dort nachzusehen. Das eignet sich auch hervorragend zum Drogenschmuggel. Und sollten demnächst doch Nacktscanner eingeführt werden, sagt man einfach das sind Brustimplantate. Bis der Zollbeamte “Implantate” und und tatsächliche Brustform in Zusammenhang gebracht und die klitzekleine Abweichung von der eigentlichen Form operierter Brüste wahrgenommen hat, ist man schon weg. Aber abgesehen von der Multifunktionseinsetzbarkeit als Klemmbrett, kann man noch so viel mehr machen. Hängebrüste sind zum Beispiel tolle Nackenstützen – je nach Länge für 1-3 Personen. Oder als Kissen, Schal, Topfuntersetzer (bei SM Affinität) oder zum Abwischen von Münder, Tischen oder Böden einsetzbar. Oder als a) Armlehnen (hinlegen, Brüste parallel zum Körper lagern, Arme drauf) oder b) Armwärmer (siehe a) nur andersrum).

“Scheiße”, dachte ich für einen Moment, “und ich hab nur Brüste, die machen, dass Männer starren und infantiles Zeugs reden und die manchmal beim Hosenreißverschluß schließen blickwinkeltechnisch im Weg sind und ich mir deshalb die Finger einklemme- All diese Überlegungen dauerten so lang, dass Frl.W. und ich bereits im Landeanflug auf den Urlaubsort unserer Wahl waren. “Und glaitsch wärdän wir buuterwaitsch landen und värgäßen sie nitsch, angeschnaalt su blaibän bies wir unsärä Parkpozitioon ärreitscht habän. Und nitscht värgäsän: Don’t hurry, be häbbi”, knarzte die Headstewardess aus dem Off.

“Krass”, sagte ich zu Frl.W. , “die Stimme klingt als gehörte sie zu einer betrunkenen osteuropäischen Transe.”

“Leider nicht”, antwortete Frl.W. nonchalant, “es ist nur ne ziemlich hässliche Frau und guck mal, die hat komische Nippel!.”

“Hmmm…”, erwiderte ich dem Frl.W., “ich bin erstmal durch mit komischen Nippeln” und so rutschten wir auf unseren Augenringen ins Ferienparadies.

Odorama

Manchmal setzen sich im Kino so Menschen neben einen, die sich zu allererst mit ihrer Geruchs- oder Geräuschkulisse ankündigen. Sprich noch bevor man seinen Sitzpartner visuell kennenlernt, riecht man ihn schon. Oder hört, wie er unter würgenden Brunftgeräuschen versucht seinen Mucus aus dem Hals oder der Nase nach draußen zu befördern. Wenn das passiert, weiß man schon: das werden jetzt harte 90 Minuten.

Ich hatte dieses Jahr auf der Berlinale in allen meinen Filmen Glück. Meine jeweiligen Sitzpartner waren allesamt geruchsarm und äußerst leise. Und dann, wie sollte es auch anders sein, in einem der letzten Filme traf ich sie. Die Königin der Geruchs- und Geräuschkulissen.

Das Privileg neben sich noch einen freien Sitzplatz zu haben, ist ein seltenes bei Filmfestivals. Nur kurz währte meine Freude. Der Film begann, ich kuschelte mich in den fett gepolsterten Sitz. Dann roch es plötzlich aus unerfindlichen Gründen nach Tod. Nach ganz totem Tod. Gepaart mit Leberwurst und Erdnüssen. Die Menge wurde unruhig. Zu den schneidend säuerlichen Ausdünstungen, die den Raum vernebelten gesellte sich ein Kratzen. Ein Hinken. Ein Knarren. Erstarrt blickte ich in Richtung Eingang und in meinem Kopf ertönte der Psycho Soundtrack. Die ersten geruchssensiblen Zuschauer liefen schreiend in Richtung des anderen Ausgangs. Wenn sie noch konnten. Die meisten kollabierten einfach in ihren Sitzen.

Das Geräusch kam näher und dann bog sie um die Ecke einen Schwarm giftgrüner Moderwolken in meine Richtung schickend. “Oh mein Gott, nicht sie! Die Frau ohne Rillen!” japste es panisch hinter mir bevor der Inhaber jener Worte sich in seinen Sessel ergoß. Erstarrt schaute ich zu wie sie näher kam. Meine Lunge pritzelte schon und ich wusste jetzt ist es zu spät. Ich würde auf der Berlinale sterben. In einem Dokumentarfilm über eine israelische Schwulenbar. Scheiße.

Scheiße. Dachte ich. Scheiße! Dachte ich wieder. Nur diesmal weils gleich thematisch passend so roch. Das alte Muttchen mit dem Hinkebein hatte sich direkt neben mich platziert. Versuche würgende Gurgelgeräusche zu verbergen waren unnütz. Ich starrte auf die Leinwand und war sicher so ist es wenn man ein Arsch im Leben war und der Tod einen persönlich abholt. Ich schwor zu konvertieren. Zu dem erstbesten Gott, der mir helfen würde. Doch von denen meldete sich keiner. Sie hatten wahrscheinlich alle damit zu tun ihre würgenden Gurgelgeräusche zu verbergen.

Wenn ich mich nicht bewege, mache ich keinen Lufthauch, dann kommt nicht noch mehr zu mir geschwappt. Dachte ich so, doch Muttchen hatte andere Pläne. Sie zog ihre Jacke aus. Ein kleiner Aufschrei ging durch den Saal. Sie trug nur ein ärmelloses Shirt darunter. Vor uns fiel die gesamte Reihe Zuschauer mit dem Gesicht nach vorn in die Sessellehnen ihrer Vordermänner. Ich hatte das Gefühl meine Nasenscheidewände versuchten verzweifelt den Saal zu verlassen – notfalls auch ohne mich. Dann packte Öhmchen zwei gelbe Lappen aus. In einem Anfall von “Faszination des Grauens” schaute ich zu ihr rüber nur um ihr bei einer scheinbar traditionellen Zeremonie beizuwohnen. Mit größtmöglicher Erhabenheit schwang sie je einen Lappen unter ihre stark behaarten Achseln. Links – flapp. Rechts -flapp. Und die blieben hängen noch bevor sie den Arm runter nahm.

Die wandelnde Geruchskulisse drehte sich zu mir und lächelte mir zu. Und da erst begriff ich was “die Frau ohne Rillen” bedeutete. Was das genau heißt, darf ich noch nicht aussprechen, sagt meine Therapeutin. Aber sagen wir so. Es gab wohl kurz vor dem Film Leberwurstbrot. Oder kleine Kinder. Je nachdem was grad da war.

There’s no place like home. There’s no place like home” murmelte ich. Und stieß erneut Gebete in sämtliche Himmel, Höllen und Refugien. Und endlich wurde ich erhört. Zumindest indirekt. Der Dokumentarfilm ging nur eine Stunde und gerade als ich mich zum Sterben zusammenrollen wollte, war er zu Ende.

“Vergeben die Sozialtickets an Obdachlose auf der Berlinale?” fragte mich das Frl.W. als sie das Öhmchen vor dem Kino im Hellen erblickte. “Nein, eigentlich nicht”, antwortete ich grün-blau-grau im Gesicht, “aber jetzt weiß ich warum manche Leute ewig alt werden, so wie das Öhmchen oder Johannes Heesters zum Beispiel. Das sind offensichtliche Fehler in der Matrix. Mit gotterhabener Geruchskulisse oder welche, die, wie im Fall Heesters, einfach nicht aufhören wollen zu singen und zu steppen. Die will nicht mal der Teufel.”

Hippieliebe

“Menschen haben Ringe um sich, mit denen sie den Abstand zu anderen Menschen bestimmen. Und die meisten Menschen gewähren keinen Eintritt in den innersten Ring”, philosophierte neulich das Glückskind, “das ist doch totaler Blödsinn! Aber vielleicht bin ich auch zu hippiehaft…”

Recht hat es. Es ist totaler Schwachsinn sich immer ein Stück weit einsam zu lassen nur aus Angst jemand könnte einen sehen wie man wirklich ist. Ein Mensch. Unperfekt. Ein bisschen hässlich. Ein bisschen schwach. Ich war schon immer dafür diese Idiotie aufzubrechen, die Grenze zu sprengen. Wieso nicht mit besten Freunden kuscheln, sich von seiner verletzlichen Seite zeigen und Menschen haben, denen man alles – wirklich alles – erzählen kann? Wieso immer diesen letzen Abstand wahren. Und warten auf den einen/die eine, der/die sich dann Partner(in) nennt und nur der/die darf ganz nah ran.

Bitte scheitern Sie hier!

Das Dumme daran ist nämlich, wenn man solange wartet und es nicht vorher ausprobiert, frachtet man dem armen Menschen alles auf, was sich in den Jahren davor angesammelt hat. Was nicht bekämpft, bearbeitet, geliebt, gestreichelt, besprochen wurde. RUMMMS. Alles auf den Einen, die große Liebe. Und dieser arme Mensch weiß gar nicht, wie er das alles halten soll, genau wie ich, wenn ich denke ich brauche keinen Einkaufswagen und am Ende jongliere ich Berge voller Zeug zur Kasse, nur um mich klassischerweise direkt VOR und nicht auf dem Kassenlaufband zu ergießen.

Und meistens bepackt man den Partner dann noch total ungeschickt, man hat es ja auch nicht geübt, und hegt unendliche Hoffnung darin, dass er/sie gekommen ist um dieses große einsame Loch zu füllen. Eine Aufgabe, die kaum zu schaffen ist von einem allein. Schlimmer ist es noch, wenn nicht einmal dieser Mensch den innersten aller Ringe betreten darf. Dann wird aus dem Ring eine Mauer und man bleibt immer irgendwie allein.

Das halbe Blumenmädchen

Da saß ich nun und dachte, wenn das hippiehaft ist, dann steck ich mir jetzt sofort eine Blume ins Haar, laufe nackt durch die Straßen und singe brustwippend von der Liebe. Meine Freunde können immer zu mir kommen. Alles mit mir teilen, auch Liebe und Streicheleinheiten und Scheißtage und Einsamkeiten. Tag und Nacht. “Wie recht es hat, das kleine Glückskind” dachte ich mir und betrachtete mich im Spiegel. Und betrachtete meine Ringe. Lange und intensiv. Und sah genau hin, zum ersten Mal. Mein innerer Ring – er ist leer. Oder fast leer. Irgendwo ganz am Rand, da stehen zwei kleine dünne Beine und zwei kleine Hände über und über bepackt mit kleinen Kisten und Schachteln, Tüten und Beuteln, in denen meine Einsamkeit verstaut ist. Und meine kleinen Hässlichkeiten und meine Ängste und Hoffnungen. Zum Glück kenne ich diese hübschen Knie so gut, dass ich weiß wer sich dahinter verbirgt, wer da seit Jahren ausharrt und versucht meinen Schachtelberg heil ans Ziel zu bringen. Nur wie das Ziel finden, wenn man nichts mehr sieht?

Geben: 1, Nehmen: 6

Geben kann ich super. Ich mache es gern und mit Liebe. Wie oft habe ich Menschen gesagt, sie können immer zu mir kommen. Und wie oft bin ich zu Ihnen gegangen? Nie. Zumindest nicht freiwillig. Manchmal ist mir einfach alles aus der Hand gefallen, manchmal bin ich fast erstickt an all dem Gerümpel. Wenn dann jemand zufällig da war und ich es nicht mehr verbergen konnte, dann – ja dann ließ ich gewähren. Aber nur kurz und dann nie wieder.

Jetzt ist Schluss damit. Ich öffne meine Türen. Öffne meinen innersten Ring. Ich bin die hinten in der Ecke. Zwischen all den Schachteln.  Die Unperfekte, die etwas Hässliche, die etwas Schwache. Die, die sich ins Höschen pullert, wenn du ihr näher kommst. Und dich trotzdem bei sich will. Immer wollte.

Bist du noch da?

Wenn Diplomingenieure mit Geisteswissenschaftlern…

…einen Film gucken gehen, kann das unter Umständen zu ganz neuen Betrachtungsweisen führen. Ich, Geisteswissenschaftlerin durch und durch, saß letztens im Kino mit eben solch einem mathematisch begabten und logisch denkenden Individuum.

Faszinierend, dieser Menschenschlag. Und so anders als ich. Während ich die Größe einer Lampe “fühle”, messen sie das tatsächlich aus. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso ich eine Nachttischlampe besitze, die größer als mein Nachttisch ist und Dipl. Ing.’s nicht. Wenn ich in der Stadt irgendwo hin muss wo ich noch nie war, dann denke ich, dass ich den Weg schon finden werde. Diplomingenieure gucken auf Stadtkarten, berechnen die Route und Dauer und kommen pünktlich an. Ich irre durch die Stadt, philosophiere darüber, ob sich die Erde in manchen Berliner Gegenden einfach schneller dreht als üblich und ich mich deswegen verlaufe. Und rufe dann die mir bekannten Diplom-Ingenieure an und lasse mir Wegbeschreibungen geben.

Ich schweife ab. Jedenfalls sitzen Dipl.Ing. und ich im Kino. In der Sneak. Im Originalkino am Potse. Leider in Reihe 1, ganz vorn. Aber für 90 Minuten hält man das schon aus. Ich mag Sneak. Man weiß ja nie was für ein Film kommt. Dipl.Ing. und ich hofften auf was Gutes. Und bekamen Benjamin Button.

Dipl. Ing. Laufzeit: 166 Minuten (Ich habe mir sagen lassen, dass das 2 Stunden, 46 Minuten sind).

Geisteswissenschaftler Laufzeit: gefühlte 5 (vergeudete) Jahre meines Lebens.

Als der Film zu Ende war und ich – dank rudimentärer Kenntnisse in Physiotherapie – meine Nackenwirbel wieder in Reihe gebracht hatte, war ich sauer. Ich kann nämlich Filme, die ihre eigene Genialität mehr feiern, als die Geschichte, die sie erzählen wollen auf den Tod nicht ausstehen.

Als der Film zu Ende war und Dipl. Ing. – aufgrund schneller Berechnungen der Entfernung zur Leinwand, dem Kopfneigungswinkel ins Quadrat und einer entsprechenden Anpassung des Sitzverhaltens – aufsprang als wäre nichts geschehen, war Dipl. Ing. sauer. Und zwar weil Dipl. Ing, mal flugs ein paar Kalkulationen angestellt hatte:

“Der Herr Benjamin Button ist 1918 geboren, richtig?”, sagt Dipl. Ing. mit hochrotem Kopf.

“Mmmmhhhajjjaaaa”, antworte ich unter lautem Krachen meiner Wirbel.

“Und er verlässt seine Frau, da ist er in seinen Anfang bis Mitvierzigern, weil sie ein Baby mit ihm hat und er ein Vater sein will und kein Spielgefährte, richtig?”1, brüllt Dipl. Ing.

“Jap.”, bestätige ich keuchend, während ich ein paar Rumpfbeugen mache.

Dipl. Ing.’s Kopf wird dunkelrot und droht zu Platzen: “Is Brad Pitt zu blöd zum Rechnen? Wenn er in einer Geschwindigkeit von _________________ <– hier kamen irgendwelche Formeln, die ich nich geschnitten habe …. altert, dann hätte er sein Kind in Ruhe erziehen können und beide, seine Tochter und er, hätten sich im Alter von 19 Jahren im gleichen Altersbereich angenähert. Aber anstatt dessen ist er einfach gegangen und hat Frau und Kind alleine gelassen, dieser Matheschwachmat!!”

Schweigen.

Ich gucke Dipl. Ing. erschrocken an und sage:

“Du hast Brad Pitt BERECHNET?”

  1. Der Film handelt von einem Mann, der alt geboren wird und dann immer jünger wird, bis er schließlich als Baby stirbt… []

How to get through a Horrorfilm if you are a riesige Pusche (Teil III)

Teil II

So liebe Pusche. Jetzt kennst du dich ja schon aus in den verschiedenen Arten des Horrorfilms. Das mag helfen, wird aber noch nicht deine unkontrollierbaren Mädchenquieker unterbinden, denn erschrecken wirst du dich wahrscheinlich trotzdem. Und das wird peinlich, vor allem wenn du dabei auf den Schoss deines Nachbarn springst. Das wäre nämlich eins von diesen Dingen im Leben, die man echt schlecht erklären kann ohne all seine Männlichkeit zu verlieren.

Selbst mit der besten filmwissenschaftlichen Erklärung (“Was denn, Horrofilme spielen traditionelle mit dem Kreiern emotionaler Reaktionen auf das Bewegtbild! Das kommt vom gespaltenen menschlichen Bewusstsein, welches fortwährend zwischen traditionellem magischen Glauben und skeptischen Zweifel hin und her pendelt! Das führte meinerseits zu einer körperlichen Schockreaktion, die mich zufällig auf den Schoss des Nachbarn befördert hat!”) kommst du aus der Nummer nicht mehr raus.

Um zu verhindern, dass deine Kumpels dich für die nächsten Jahre mit Mädchennamen ansprechen, musst du noch wissen, was für Arten von Horror auf dich zukommen.

Es gibt drei Dinge, die dich als Pusche entlarven können:

1) Horror

Horror ist vor allem Angst. Und zwar – im Gegensatz zur Suspense1 – ist diese Angst gegenwartsbezogen. Das heißt es passiert gerade etwas im Film, dass bei dir körperliche Reaktionen wie schreien, weinen, nach Mutti rufen, ins Höschen schiffen, sich an deinem Kumpel festkrallen etc. auslöst. Interessanterweise weiß dein Gehirn, dass ihm nicht wirklich was passiert, sonst würde dein Fluchtreflex einsetzen. Gegen Horror kannst du zwei Dinge machen. Entweder du guckst nicht hin (also Richtung Film gucken aber kurz davor einen scharfen Linksschwenk einbauen) oder du lachst ihn weg. Nichts hilft besser als Angst zu belachen. Aber nicht übertreiben, sonst kriegst du kein Bier mehr.

2) Schock

Schock definiert sich als plötzliches und unerwartetes Hereinplatzen eines Schreckmomentes. Quasi ein unangekündigter Besuch deiner Mutter am Samstag morgen, während du besoffen und nur mit einer Mütze bekleidet auf dem Badezimmerboden in deinem persönlich Erbrochenem liegst. Das Gute an Schockmomenten im Film ist, dass es sie fast gar nicht gibt. Sie werden nämlich immer angekündigt. Setzt plötzlich bedrohliche Musik ein? Bewegt sich der bald nur noch in Einzelteilen existierende Darsteller wie in Zeitlupe? Oder geht in Zimmer, die man niemals betreten würde? Oder dreht er seinen Rücken einer offenen Tür zu kurzum macht er oder sie etwas total Hirnrissiges? Bevor man dich schockt wird man immer versuchen deine Emotionen zu überweiten und dann ZACK! QUIIIEEEEKK! Nur dass du ab jetzt nicht mehr quieken wirst, denn du bist jetzt der Großmeister des Schockmoment Erwartens.

3) Terror

Terror kommt quasi vor dem Schock. Das ewig lange Warten auf den schlimmen Augenblick, das ist Terror. Man fürchtet sich quasi vor dem was passieren wird. Das coole an Terror (und letztlich an Schock) ist, dass es meistens verbal angekündigt wird (“Wenn du diesen Raum betrittst dann…”). Terror ist auch noch daran erkennbar, dass die Kamera oft ganz nah an das Geschehen geht. Du siehst nicht alles, dein Blick ist eingeschränkt. Vergleichbar wäre Terror wohl mit dem typischen Chef-Satz “Wir müssen dringend sprechen. Aber jetzt hab ich keine Zeit und morgen geh ich drei Tage in Urlaub.”

So jetzt weißt du bescheid. Am besten du probierst es gleich aus. Mit deinen Freunden und einem Triple-Feature aus sagen wir: THE DESCENT, HOSTEL und einem Meg Ryan Film deiner Wahl (STADT DER ENGEL ist echt Hardcore). Mehr Horror geht nicht.

Also Brust raus, Bauch rein, Pullermann besonders auffällig in eine riesige Hosenbeule gezwirbelt und dann ran an den Film!

  1. siehe Alfred Hitchcock, dem Meister der Suspense []

feline Filmkritik

Ich brauche Roger Ebert nicht mehr. Und auch nicht Bert Rebhandl, Christina Nord, Ekkehard Knörer, Knut Elstermann und wie sie alle heißen. Es wird ja viel geunkt,  dass die Filmkritik passé ist, weil im bösen Internet jeder zu Wort kommt so viele Laienmeinungen produziert werden.1.  Aber die guten alten Printkritiken sind für mich nicht deswegen out. Sondern weil ich endlich gemerkt habe, dass meine Katze tatsächlich noch mehr Funktionen hat als fressen, scheißen, schlafen, im Weg rum sitzen/liegen/stehen und Pflanzen durch Gähnen zum Welken bringen. Denn Katze ist die perfekte Ad-hoc Filmkritikerin.

Man muss dazu sagen, dass es sich hier um keine normale Katze handelt. Sie stammt aus einer langen Reihe inzestuöser, sächsischer, schwarz-weißer Pseudopanther mit irritierend pinkfarbener Nase. Erschwerend hinzu kommt, dass sie im zarten Alter von 12 Wochen einen ordentlich auf die Nuss bekommen hat und seither eindeutig als beschädigte B-Ware einzustufen ist.

Vor einer Weile hat Katze angefangen Darth Vader perfekt zu imitieren. Nein, sie saß nicht irgendwann vor mir und sagte: “Lug, Ai äm jurr faser”. Dafür atmet sie aber genau wie der Darth. Und braucht dazu nicht mal einen Helm. Zuerst dachte ich sie hat sich eine Überdosis Katzenminze reingepfiffen. Doch irgendwann wurde mir klar, dass wir kurz davor Star Wars gesehen haben. Ich wurde aufmerksam und beobachtete von da an ganz genau.

Und tatsächlich, jeden Film, den wir sahen, kommentierte sie auf ihre eigene Weise.

Beispiele:

Der Pate: fand Katze gut, kratzt sich seitdem vor dem Futternapf das Kinn wie Marlon Brando

Catwoman: die feline Charakterdarstellung Halle Berrys veranlasste Katze zu einem ausgedehnten Furz

Die Verurteilten: einen Tag nach Sichtung verschwand unser Hammer, wir fanden ihn in Katzes Bett wieder

Saw I: fand Katze in seiner brutalen Gewaltdarstellung überzeugend und spaltete mir hinterrücks den Nippel, um zu sehen, ob sie das Zeug dazu hat ein zweiter Jigsaw zu werden.2

Basic Instinct: Katze fand Sharon Stone nur mittelmäßig überzeugend, um ihr zu zeigen wie man es richtig macht, leckt Katze sich ausgiebig den eigenen Genitalbereich, um dann gelangweilt einzuschlafen

Bodyguard: Katze jault bei allen Liedern lautstark mit, kollabiert dann ob der klischeehaften Liebesszenen und lässt sich von mir ins Bett tragen

Matrix I: Katze schaut stumm dem Geschehen zu und hält die Luft an nachdem Morpheus sagt: “Glaubst du wirklich das ist Luft, die du grad atmest?” Seit dem imitiert Katze Keanu Reeves’ Mimik (Beweisfoto beigefügt)


  1. was übrigens der totale Quatsch ist, meiner Meinung nach []
  2. Das Ausbleiben von Futterrationen überzeugte sie letztendlich vom Gegenteil []

vaginaler Tanztee

Ich lasse mich ja eigentlich ganz gerne mal auf “künstlerisch wertvolles” Kulturgut ein. Ich habe schon ultrafeministische Nina Menkes Filme geguckt, in denen die Hauptdarstellerin Gertrude Stein zitiert, während sie kopuliert (wird). Oder überlange Andy Warhol Filme, in denen gar nichts passiert.

Ich habe mir Installationen angeschaut, die aus wackelnden Glühbirnen bestehen und Charlie Chaplin Filme mit musikalischer Begleitung auf einem Waschbrett reingezogen.

Und ich finde sogar Performance Art ganz interessant. Vor allem solche, die es letzes Jahr beim Berliner Porno Filmfestival gab. Da war eine Performerin, die sich allerhand Zeugs in ausgewählte Körperöffnungen steckte, nur um sie dann mit Schmackes wieder nach draußen zu schießen. Eine gute Freundin wollte das unbedingt von Nahem sehen. Wir wissen immer noch nicht, was genau die Flecken auf ihrem Shirt verursacht hat. Und wie man sie wieder rauskriegt. Und ob der Ausschlag danach ein direkter Abkömmling des Hautkontaktes mit dem analen Spritzgut war.

Aber ich glaube heute wurde ich verarscht.  Auf der Eröffnung der Asia Hot Shots 2009 gab es eine Performance. Die bestand aus Filmaufnahmen eines Vulkans auf Java und komischen Tontöpfen mit Loch, die aussahen wie Muschis. Von denen standen dann noch welche auf der Bühne. Dann kamen zwei Musiker. Die machten Tropfgeräusche. Minutenlang. Meine Blase war ganz angetan und wollte mit einsteigen. Gott sei Dank wandelte sich die Geräuschkulisse in so eine Art Grießbrei-mit-offenem-Mund-und-viel-Spucke-kauen Geräusch. Meine Begleitung, Herr André, schauderte sichtlich. Das Performancegatschen hat ihn glaube ich nachhaltig traumatisiert. Ich bin froh, dass er nicht gesehen hat, wie dieses Geräusch hergestellt wurde.

Dann kamen zwei Frauen in schwarz gekleidet. Die latschten einfach völlig gelangweilt vor der Leinwand hin und her und hielten ab und an ein Blinklicht in eine der Tonmuschis. “Aha…”, dachte ich mir, “was der Künstler damit wohl sagen will?” Ich konnte nicht anders. Ich musste an meinen Gynäkologen Dr. Karohl denken. Der hätte sich bestimmt angesprochen gefühlt.

Die ersten Lacher ertönten schon hinter uns und die ersten Gäste verschwanden angenervt. Wir blieben stark. Wer letztes Jahr im Forum der Berlinale einen Film mit Überlänge über bulgarischen Straßenbau gesehen hat, läuft nicht so schnell davon. Doch dann kam der Hammer. Die Performance-Latscherinnen setzten sich hinter die Tonmuschis, mit gespreizten Beinen. Frauengestöhne- und Gestammel ertönte. Ich sah mich im Publikum um. Starre Gesichter. Kein Mienenspiel. “Nu gut”, dachte ich so zu mir, “ganz schön mutig dem indonesischen Botschafter eine Pornoperformance vor einem indonesischen Vulkan zu geben und es dann noch Eröffnung mit Länderfokus Indonesien zu nennen. Vielleicht ist das die künstlerisch wertvolle Rache daran, dass die Indonesier gerne ihre Minderheiten unterdrücken sehr gesetzesaffin sind? Quasi eine Art ‘show Loch, not war’ statement?”.

Aber als dann fünf Performer auf die Bühne kamen, die sich hinter die Muschis legten und dann durch ein kleines Loch am Hinterteil der tönernen Vagina Brummgeräusche machten, konnte ich mir den Scheiß auch nicht mehr erklären.

Ich glaube ja, der Herr André und ich wurden ganz ordentlich verhurzt.

Berlinale in Steno

Berlinale.

05. – 15.02.2009

Filmfestival, groß, in Berlin.

Sektionen:

Wettbewerb: großes Mainstreamkino, damit auch Stars kommen

Panorama: bunt durch den Kinogemüsegarten, vor allem Arthouse/Autorenfilm, schwul-lesbischer Anteil

Forum: politisch, jung, interessant aber mit Kopfwehgefahr

Generation: Kinder/Teeniefilme. Sehr lustige Vorführungen mit gefühlten 10 Millionen Kindern in einem Saal.

Perspektive Deutsches Kino: deutsch, deutsch, deutsch. Hier gibts meistens nix zu lachen.

Shorts: Kurzes aus allen Sektionen. Von genial bis supergrotoid alles dabei.

Retrospektive: altes, cooles Zeugs von angestaubten bis toten Filmemachern

kulinarisches Kino: Film + Essen (als ob der wahre Filmfetischist für sowas Zeit hätte)

Und sonst so?

Parties, Parties, Parties.

Und Karatekueken, die mit eine Akkreditierung um den Hals täglich fünfzehn Mal über den Potsdamer Platz rennt. Hochroter Kopf, volle Tasche, den selbstgebastelten Filmplan in der linken Hand. Kaffee in der rechten.

voraussichtliche Anzahl der gesehenen Filme am Ende der Berlinale: 57-60

voraussichtliche Liter Kaffee: 200L

voraussichtliche Anzahl an Subway-Sandwiches: 20

voraussichtliche Stunden Schlaf: ca. 3h pro Nacht

voraussichtliche Dicke der Augenringe: 4-5 cm

voraussichtliche Anzahl an Starsichtungen: 8-10

voraussichtliches Interesse an Starsichtungen (Skala 1-10): 0

voraussichtliche Versuche Tilda Swinton (diesjährige Juryvorsitzende) anzufassen, um endgültig feststellen zu können, ob sie ätherisch ist oder doch nur so aussieht: 1

voraussichtlicher cineastischer Befriedigungsfaktor (Skala 1-10): 12

voraussichtliche Tage Krankheit danach: 3-4 Tage

Wie man sowas ohne bleibende Schäden übersteht? Vielleicht schreib ich demnächst noch einen kleinen Berlinale-Survival Guide…

wahrhaft weise Worte (3)

Nick and Norah’s Infinite Playlist (2008):

“I love you so much, it’s retarded.”

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast…

…mit diesen Worten empfing mich ein bis dato unbekannter Mitstudent.

Meine Reaktion war prompt. *pooofff* Knallrotes Gesicht. Mein ganzer Sommer zog an mir vorbei.

Scheiße, wer ist das? Oh mein Gott, weiß er von meinen sexuellen Ausschweifungen? Oder das mit der Katze? Das war nicht mein Fehler…. oh nein warte, er hat das mit dem Typen und der Hakenhand gesehen. Aber das war doch nachts, da war doch keiner….Und überhaupt, laut Drehbuch darf er mich erst im Sommer darauf ansprechen.

“Du bist ja ganz rot?!”, lachte mein Peiniger. “Du warst doch die, die das Zimmer von T. und J. für ihre Hochzeitsnacht hergerichtet hat, oder? Das sind nämlich Freunde von mir.”

“Ach sooooo!”, dachte ich und packte meine dunklen Geheimnisse schnell wieder weg. “Ja, das war ich.”

Ich bin eindeutig nicht aus dem “femme fatale mit Pokerface”-Holz geschnitzt.

Merke: Mit mir keinen Mord o.Ä. begehen. Ich verrate uns sofort…

Stille Post

Ich glaube ja, dass nicht diese Sache, die da in Babel passiert ist Menschen dazu gebracht hat sich nicht mehr zu verstehen. Ich glaube viel mehr, das war das kleine Add-On namens “Emotion” was irgendein umnächtigter Nerdengel Gott da angedreht hat. Und als sie es installiert hatte und alles schief ging und das Programm abschmierte und verbuggt war bis zu Poritze, da merkte Gott erst, dass sie gar keine Ahnung hat, wie man den Mist wieder downgradet.

Da sitze ich nun als Mensch, eindeutige Betaversion mit diesem verbuggten Add-On was keiner mehr gelöscht kriegt und bei dem jetzt alle Verantwortlichen so tun, als sollte das so sein. Ich rede und kommuniziere und rede und kommuniziere und versuche mich mitzuteilen. Mich verständlich zu machen, den anderen begreifen zu lassen wer ich bin. Die Worte formen sich zu Sätzen, rattern mein Hirn entlang – bis dahin alles gut – dann durch mein Herz und meine Seele, rein in das Emotionschaos, wo man sie durchschüttelt, mit Untertönen versieht, fünf Mal im Kreis dreht und dann mit einem Arschtritt durch meinen Mund nach draußen befördert.

Aus Möhren wird nun Leipziger Allerlei, püriert. Mein Worte sind versetzt mit Unmengen anderem Zeugs und sehen gar nicht mehr nach dem aus, was sie mal waren. Das serviere ich dir dann notgedrungen und du futterst das Ganze in dich rein. Dort wandert es direkt durch dein Emotionschaos und dann in dein Hirn. Was da dann ankommt, ist meist eine vollkommen verkorkste Abklatschversion von meinem Ursprungssatz.

Manchmal fühle ich mich als würden wir nur per “stille Post” verhandeln können. Und zwar “stille Post” mit 10.000 Mitspielern. Und ein paar davon sind taub.

Vielleicht sollte ich mal weniger reden und dich einfach mehr küssen. Und lächeln und mit dir tanzen. Und mir sicher sein, dass du mich doch irgendwie verstehst…

(A Girls) Zombie Survival Guide -10 Regeln

Ich wurde gechallenged. Von einem Zombie-Nerd. Herr Florian, ich nehme an! (wirft ihm den Handschuh ins Gesicht)

Hier mein Girls Guide1 zum Überleben unter Zombies:

1. In 4711 echt Kölnisch Wasser baden.

So hirntot kann man nicht sein, dass man da reinbeißen wöllte.

2. Nie wieder Zähne putzen, sich Klamotten bei KIK besorgen und mit rohen Dönerlappen behängen.

Das riecht dann alles ordentlich tot und scheiße sieht man auch aus. (Denn irgendwie haben Zombies überhaupt kein Verständnis für Mode, scheint mir.) So kann man sich in jede müffelige Zombiegruppe integrieren und keiner kommt auf die Idee, dass man noch lebt.

3.  Reden, reden, reden.

Und zwar ganz viel und ganz schnell und am besten nur über Belanglosigkeiten wie Nagellack, Winterschlussverkauf und Brad Pitt. Das funktioniert ja sogar bei noch nicht gezombten Männern. Die bekommen sofort diesen hohlen, glasigen Blick und erstarren. Aber wie gesagt, das funktioniert nur bei Männern.

4. Waffen mitführen ist nicht wirklich nötig. Die Handtasche zum draufhauen, die Nagelfeile zum ins Hirn bohren (dann einmal nach links drehen, dann einmal nach rechts und langsam rausziehen, sonst macht man sich dreckig), das Parfum zum Augen ausätzen. Die High Heels sind auch ganz praktisch zum Enthirnen geeignet. Eigentlich ist die moderne Großstadtfrau schon jetzt auf dem besten technischen Survivalstand.

5. Noch bevor die Epidemie ausbricht mit einem tiefen Ausschnitt in eine “Alkopole-Bierhimmel-24/7 Bierchen für nen Euro”- Kneipe gehen.

Eine halbe Stunde genügt, um alle Nahkampftechniken einmal durch zu spielen und zu lernen, wie man Hirntote auf Abstand hält.

6. Ein ernstes Gesicht aufsetzen, auf den (so noch vorhandenen) Bauch zeigen und mit fester Stimme sagen: “Sag mal, hast du zugenommen?”

Das gibt dir mindestens 30 Sekunden Zeit, um weg zu laufen. (Funktioniert bei allen Geschlechtern.)

7. Das Handy zücken und sagen “Deine Mutter ist dran und fragt wann du sie mal wieder besuchen kommst.”

Die prozentuale Wahrscheinlichkeit, dass der verbleibende zombianische Überlebenstrieb den Angesprochenen dazu bewegt, schreiend weg zu rennen, ist sehr hoch.

8. Immer einen Ghettoblaster dabei haben und voll aufgedreht Alexander Marcus oder ähnliches Liedgut abspielen.

Soweit die Schallwellen reichen, wird nichts und niemand in deine Nähe kommen. Denn entweder schunkeln dann alle und singen mit oder ihnen läuft das Hirn aus der Nase und sie fallen um. Ein musikalisches Schutzschild quasi.

9. Einparken üben.

In einem Auto sitzen und Massen von Zombies kommen auf dich zu gerannt? Dann einfach genau das machen, was du tun würdest, wenn du parallel einparken müsstest. Laut vorherrschendem Klischee sind Frauen in dieser Situation ja kreuzgefährlich und mit einem Massenvernichtungsmittel vergleichbar.

10. Sofort beißen lassen. Lieber untot als der letzte Mensch auf Erden. Immer dieses Verstecken und kämpfen, keine intelligenten Gespräche mehr führen können und Herr Gott nochmal keinen Sex bei dem die Geschlechtsteile nicht abzufallen drohen? Das ist doch ungefähr so lustig wie der letzte zu sein, der beim Sportunterricht gewählt wird.

  1. der voller Klischees steckt und hochgradig unfair und sexistisch zu allen Männern, Frauen und Zombies ist []

Ringbahn

Manchmal wenn ich so richtig traurig bin, fahre ich Ringbahn. Einmal ganz rum um Berlin. Das dauert ungefähr eine Stunde und hat im Winter noch den Vorteil, dass es da wärmer ist als in meiner Altbau-modernisiert-aber-nicht-renoviert-ganz-zu-schweigen-von-saniert- Wohnung.

Ich liebe das menschliche Wechselspiel, das sich einem bietet. In Wedding wirds meist laut und multikulturell. Gern auch pöbelig. Der Pöbelfaktor nimmt dann gen Messe Nord/ICC nochmal um 200% zu und flaut dann ab. In Westkreuz dann der erste Exodus und bis Schöneberg ist es meistens ganz ruhig und man ist fast allein. Und dann wirds wieder lauter. Und spätestens Sonnenallee platzt die Bahn aus allen Nähten. Dann wieder Exodus am Ostkreuz. Hier steigen dann meist Menschen zu, die gutbürgerlich-proletarisch sind. Dann riechts oft nach Schnitten und Bierchen. Die entleeren sich dann wieder bis Wedding. Spontan habe ich Elton Johns Schmachtfetzen “Circle of Life” im Kopf.

Aber das ist eigentlich nicht der Grund wieso ich Ringbahn fahre, wenn ich traurig bin. Der eigentliche Grund ist folgender:

Ich setze mich in die Bahn, höre Musik. Diesen Sommer wars das Peter Fox Album, hoch und runter – vor und zurück. Aber das kann ich gerade nicht hören. Es ist Teil der Trauer. Also hab ich meine ganz ganz alten Sachen rausgekramt und mir einen fetten Motown Mix zusammengefrikkelt. Nur die Up-Tempo Nummern. Die Supremes, die Jackson 5, Marvin Gaye, die Four Tops….

Da saß ich also nun, mein Herz aus Stein und zog mir den ganzen alten Kram rein. Und stellte mir vor, das Leben wäre ein Musical.

—– Jetzt wirds interaktiv. Bevor ihr weiterlest, macht euch folgenden Song an .——

Stop…in the name of looooovvvvvveeeee….. Diana Ross brüllt aus dem Kopfhörer. Und plötzlich springen sie auf. Die alte Frau mit den lilafarbenen Haaren, der Bauarbeiterrülps mit Bierflasche, der gepiercte Altpunker, sein Hund und die muslimische Hausfrau mit dem braunen Kopftuch. Und singen. Stop…in the name of looooveee….

Und machen die perfekte Supremes- Choreographie. Hand energisch nach vorn beim Stop, schnipsen links, dann rechts. Hüftschwung links, dann rechts. Sie singen aus voller Kehle. Die anderen Ringbahnmitfahrer tanzen mit. Hüftschwung links, rechts. Langsam, wie in DIRTY DANCING, bildet sich eine im Gleichschritt tanzende Kongregation, die auf mich zu kommt. Think it o-hooo-verr. Mein Herz springt im Takt. Sie tanzen für mich. Think it o-hooo-verr. In Paillettenkleidern. Plötzlich sind sie alle schwarz. Die Männer groß und bärtig. Die Frauen mit dicken Hüften und prallen Backen. Stop in the name of loovvee- beefore you breaak my heaaartt

Sie bleiben genau vor mir im Gang stehen und plötzlich schreit jemand Hallelujah. Und die Masse schreit ihm nach: “Hallelujah!!”

—– Jetzt diesen Song —–

Und er singt Oh Happy Day. Ich liebe diesen Song. So leise am Anfang. Die Masse klatscht in die Hände und dann setzt der Chor ein. Stürmisch, laut, es bläst mich weg. Und dazwischen immer wieder Hallelujah Schreie. Sie tragen nicht die üblichen Gospelgewänder, sondern noch immer diese Paillettenkleider. Silberfarben, die kurz vor dem Knie enden. Hallelujah. Und dann, in einer perfekten La Ola Welle treten sie zur Seite.

Und da stehst du. Genauso verwirrt wie ich. Und während er weiter aus vollem Hals Oh Happy Day singt, nimmt er dich an die Hand uns zieht dich in ihre Mitte. Frenetisch brüllt der Chor das Lied. Die Kirchenorgel kreischt in höchsten Tönen. Sie umtanzen dich, strecken die Hände zum Himmel. Haaaallleeelluujjjahh. Ich springe auf. Laufe zu dir und wir sind mitten drin. Mitten im Gospel. Mitten in diesem Song.

Und eine Stimme schreit: “Repent! Repent!” Und der Chor antwortet: “Repent, children, repent!” Wir schauen verwirrt. Wir sind beide weder schwarz noch haben wirs so recht mit Gott. Doch die Woge ihrer Schreie dringt in uns ein. Direkt ins Herz. Es droht mir zu zerbersten. Sie legen ihre Hände auf unsere Stirn und treiben sie uns aus, die Dämonen. Ich fühle wie sie davon fliegen aus meinem Herzen. Hallelujah, Lord Almighty. “Halleeeeluuujaaaahhhhh”, schreit der Chor.

“Haaaaaaaaaaaallleeeelluuujaaaaaaaaaaaaaaahhhhh”, schreie ich. So laut ich nur kann. Mein Herz ist so leicht, es fliegt. Ich öffne die Augen. Und da stehe ich. In der Ringbahn. Mit ausgestreckten Händen. Mitten im Waggon. Die Wangen rot. Und alle starren mich an. Verständnislos. Der Bauarbeiterrülps kratzt sich die Eier und die Oma mit den lilafarbenen Haaren murmelt böse Hasstiraden in ihren Oberlippenbart.

WOOOOOM. So schnell kann einen die Realität wieder einholen. Kein Gospelchor. Kein Hallelujah. Keine Erlösung. Nur Alltag. Und weit und breit kein du.

An der nächsten Haltestelle springe ich raus. “Oh Gott”, denke ich mir, “Stand ich gerade ernsthaft in der Bahn mit erhobenen Händen und hab Hallelujah geschrien? Schon wieder?” Zum Glück ist das Berlin. Da interessiert sowas keinen länger als 20 Sekunden.

Ich und mein schweres Herz schlurfen wieder nach Hause. “Scheiß Einbildung. Wie gern würde ich so mit dir eine Runde Ringbahn fahren. Entdämonisiert. Wäre doch nur ein bisschen davon wahr”, denke ich mir und schlurfe weiter. Den Kopf gesenkt. Vor meinen Augen glitzert es auf der Straße. Es blendet mich. Ich hebe es auf.

Eine silberne Paillette.

Guide to the other side of Weihnachtsfilme

24. Dezember. Geschenke sind ausgepackt und sortiert in “will ich behalten” und “vertick ich auf ebay”. Die Gans ist gegessen. Du stößt halbstündlich Rotkohl auf und wenn dir noch jemand auch nur ein Stückchen Schokolade reicht, kotzt du auf Muttis Christkindfigur. Und nu?

Eindeutig bedarf dieser Augenblick einer nicht körperlichen Beschäftigung, die dich ablenkt und am besten noch auf deine zahlreichen weihnachtlichen Gefühle eingeht. Filme gucken! Yipppieee!

Nur was, wenn du gar keine Bock auf den Weihnachtsschnösel hast und du dir bei DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL eher die Pulsadern aufschneiden willst?

Hush, Hush. Nicht weinen. Genau für diesen Familienfestnotfall haben wir1 eine kleine (ergänzbare) Liste zusammengestellt. Geordnet auf Gefühlsbasis.2

Anleitung: Gefühlswelt: Filme, die du gucken solltest, um dich in diesem Gefühl zu suhlen.

aggressiv: FALLING DOWN, SERIAL MOMDER ROSENKRIEG

(Es geht nichts über die kinematographische Teilbefriedigung von Menschenhass, Aggressionen, Katzen überfahren, Leute in der Kaufhalle umbringen…harhar….muss quälen (lassen), muss töten (lassen).)

paranoid: STAATSFEIND NUMMER 1, 23, BEAUTIFUL MIND

(They are watching you….)

musikalisch: MAMMA MIA, HAIRSPRAY (das Original!!), A CHORUS LINE

(You can daaaaance, you can jjiiiiiiveeee. Es gibt nichts besseres gegen Weihnachtsstress als den Weihnachtsmann mit dem Weihnachtsbaum zu verkloppen um den Baum zu tanzen.)

Girl Power: JUNO, VOLVER, DEATH PROOF

(Nach diesen drei Filmen sollte Vati besser keinen doofen Spruch lassen.)

Boy Power: BILLY ELLIOT, DIE HARD

(Ja. Billy Elliot. Ihr seht richtig. Ich glaube es gibt nichts, was mehr Boy Power beansprucht, als zum Ballett zu wollen.)

Endzeitstimmung: KRIEG DER WELTEN, CHILDREN OF MEN, 28 TAGE SPÄTER

(Nur so zur Objektivierung. Es ist zwar Weihnachten aber es gibt schlimmere Katastrophen. Tom Cruise könnte deine Mutter sein.)

sadistisch: KEVIN ALLEIN ZU HAUS, HOSTEL

(Do not try this at home, kids. Für sowas fährt man nach Osteuropa.)

masochistisch: DANIEL DER ZAUBERER

(Wenn das nicht reicht, klaut euch die Kerzen vom Baum und zieht euch zu einer kleinen S/M Session zurück. Oder besteht drauf, dass alle Weihnachtslieder singen. Oder setzt euch neben die gruselige alte Tante mit dem schütteren Bindegewebe und lasst euch in die Wange kneifen. There is so much Masochismus naturally available an Weihnachten.)

sentimental: KOLJA, CINEMA PARADISO, DAS LEBEN IST SCHÖN

(Wer diese drei Filme nacheinander schafft ohne zu weinen, kriegt von mir eine DVD geschenkt. Gewinnspiel quasi.)

albern: ZOOLANDER, ROMY & MICHELLE, SUPER SÜß UND SUPER SEXY

(Alle gucken und dann am 25. beim Frühstück die ganze Familie mit dem Penis Song überraschen. Jingle Bells!)

enttäuscht: THE VILLAGE, LADY IN THE WATER, THE HAPPENING

(Es gibt keine besseren Filme als die letzten drei M. Night Shymalan Filme, um bodenlose Enttäuschung noch mal zu verdoppeln.)

nostalgisch (♀): BREAKFAST CLUB, CINDERELLA 80, FAME

(Unglaublich wie behaart man in den 80ern noch sein durfte. Da wächst ja alles in Büschen. Oben und unten.)

nostalgisch (♂): MAD MAX, RAMBO, WAR GAMES

(Ich wette man kann Oma auch mit einer Runde Endlos-Tic-Tac-Toe mürbe machen und sie rückt noch einen Extra-Zehner raus. Ansonsten einfach Mad Max Methoden anwenden.)

einsam: MISERY

politisch: TEAM AMERICA, DR. STRANGELOVE, PERSEPOLIS

(Und dann am Weihnachtsfrühstückstisch eine politische Diskussion anfangen und zusehen wie bei Mutti der “Oh mein Gott, nicht an Weihnachten, muss für Harmonie sorgen” Reflex anspringt.)

freundschaftlich: WALLACE & GROMIT, THELMA & LOUISE, WALL•E

(Und dann das Handy nehmen und den besten Freund/die beste Freundin anrufen und mal endlich wieder sagen, wie schön es ist, dass es den anderen gibt.)

sexy: WILD THINGS, BOOGIE NIGHTS, INTO THE BLUE

(Der letzte Film ist grottenschlecht. Aber man kann Jessica Alba 90 Minuten im Bikini sehen. Das reicht manchmal schon.)

Und dann gibts da noch…

Scheiß egal  wie ich mich gerade fühle. Ich hab einen HD Beamer: IM REICH DER TIGER UND DRACHEN, KILL BILL (I/II), THE CELL, THE FOUNTAIN

und

Ich weiß einfach nicht wie ich mich fühle bzw. Ich habe keine/alle der genannten Gefühle: HERR DER RINGE I/II/III (Extended Version) + Bonusmaterial

(Das sind fast 11 Stunden reiner Film und ungefähr nochmal so viel an Bonusschnösel. Wohl bekomms. Aber verpasst mir Silvester nicht.)

So. Das wars. Damit sollten die Feiertage doch gerettet sein. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, was ich mir so angucken werde… Vorschlag, anybody?

  1. das sind Karatekueken und die sonst im web 2.0 nur passiv anwesende Frl.W. []
  2. Wir übernehmen keine Garantie dafür, dass nach dem Verzehr diverser empfohlener Filme Morde, Selbstmorde, Geschlechtsumwandlungen oder Plätzchenbackorgien resultieren []

Horst…

Harry hat den Wagen geholt.

Machs gut Horst.

Du hast den Farbfilm vergessen…

Wenn man seine Kindheit als Sozialamöbe in den 80er und 90ern in Karl-Marx-Stadt, Sachsen, verbringt, hat man irrsinnig viel Zeit. Da saß ich also nun, im Fritz-Heckert-Baugebiet Nummer 8, Wolgograder Allee Nummer 5, 6. Stock rechts und fühlte mich wie Kafka in seinen ganz schlimmen Zeiten. Irgendwie schien alles in Karl-Marx-Stadt immer grau zu sein.

Die Häuser waren grau, das Wetter war grau, die Menschen waren grau. Und das Fernsehen auch.

Bis wir endlich einen Farbfernseher bekamen (das muss so 1987 gewesen sein). Ich war begeistert. Farben. Ich konnte es kaum erwarten. Doch musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass das DDR Fernsehen – auch mit Farbfernseher projiziert – immer noch irgendwie grau war. Vielleicht auch ganz gut so. Man stelle sich vor, das Erste was ich gesehen hätte, wäre so ein genialer Technicolor Schinken aus den 50ern wie GIGANTEN gewesen.

Doch dann (wenn man die Antenne richtig stellte) kam Farbe ins Leben. Im Westfernsehen liefen plötzlich DALLAS und DENVER CLAN. Ich erinnere mich noch an die allererste Szene, die ich sah. Victoria Principal in einem kobaltblauen Kleid. Ich hatte Tränen in den Augen. Aus Freude und wahrscheinlich auch aufgrund einer Art Farbschocks, denn noch Tage später sah ich überall kobaltblaue Punkte.

Ich war noch viel zu jung, um zu verstehen worum es in diesen überdimensionierten Schaumstoffserien überhaupt ging. Das war mir auch egal. Es war plötzlich Leben in der Kiste. Leben, dass nicht so schnöde war wie meins.

Die Häuser waren bunt, das Wetter war bunt, die Menschen waren bunt.

Und dann, nach der Wende, wurde es noch bunter. Nicht in meiner Welt aber im Fernsehen und im Kino.  Wenn ich mir das so überlege, musste ich ja so enden. Als Filmwissenschaftlerin. Als drei-Mal-die-Woche-ins-Kino-Geherin. Als so-ziemlich-jede-Fernsehserie-dieser-Zeit-auswendig-Kennerin.

to be totally continued….

You gotta fight for your right to Kuchen!

Die heutige und bislang 4. Ausgabe von Kurzschluss behandelt das Thema Befreiung. Im folgenden Text steckt Wahrheit. Weitere Beiträge dieser Ausgabe findet ihr bei BastiH, Cassiopeia (Gastbeitrag auf dem Neubaublog), Anna Licht und Patsy Jones (Gastbeitrag bei saripari’s septemberRave).

„Angst ist ein menschliches Grundgefühl (neben Freude, Trauer, Wut und Scham), welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert.”, sagt die Wikipedia. Yadda, yadda, yadda…

Ich, in meiner Funktion als Mensch mit multiplen Ängsten sage: „Angst ist eine riesigengroße Drecksscheiße, die mächtig zum Himmel stinkt.”

„Angst”, so sagt die Wikipedia weiter, „hat evolutionsgeschichtlich eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender Schutzmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (etwa Flucht) einleitet.”

Wikipedia kennt mich schlecht.

In Situationen, in denen sie angemessen wäre, die Angst, macht die meinige folgendes:

Nichts.

Sie verpeilt die Situation, holt sich erstmal ein Käffchen, muss darüber erstmal nachdenken und setzt dann, nachdem sie sich nochmals mit sich selber beraten hat, ob das jetzt der Augenblick wäre zu agieren, laaangsam ein. Dann ist die Situation meist schon 3 Tage vorbei. So geht das fast immer. Außer bei Hunden. Und Spinnen. Und Ratten.

Doch selbst bei denen wird Flucht nicht eingeleitet. Dafür aber peinliches Benehmen. Hüpfen, quieken, auf Tische steigen. Mädchenverhalten eben. Ich wünschte ich würde einfach wegrennen. Obwohl, hier in Berlin würde ich mein Leben wahrscheinlich im Sprint verbringen. So hüpfe ich von Straße zu Straße immer darauf bedacht meine Mädchenquieker in Zaum zu halten.

Das Blödeste an Angst ist, dass wenn man einmal eine hat, sich gerne diverse andere dazu gesellen. In meinen paar Lebensjahren habe ich mir schon ein großartig-groteskes Sammelsurium angeeignet. Da wären, mal abgesehen von den bereits genannten Tieren zum Beispiel:

  • Angst, dass mir Käfer ins Ohr krabbeln
  • Angst vor saurer Milch
  • Angst, dass meine Katze, wenn ich sie hochnehme, mich kratzt und mir dabei den Nippel spaltet (eine meiner wenigen Ängste, die auf einem konkret erlebten Geschehnis beruhen. Aber keine Sorge, dem Nippel geht’s wieder gut.)
  • Angst, dass wenn ich in öffentlichen Toiletten den Klodeckel hoch mache, im  Klo eine Totgeburt der vorherigen Toilettenbenutzerin schwimmt
  • Angst, sich an Dosen zu schneiden und daran nach wochenlangen Qualen zu verenden
  • Angst, dass ich nachts in die Küche gehe und da schwebt ein Geist an der Decke
  • Angst davor, dass ich bei der Einnahme eines Medikaments alle im Beipackzettel aufgezählten Nebenwirkungen gleichzeitig bekomme
  • Angst, etwas Gutes zu essen zu verpassen
  • Angst, dass jemand meine Gedanken lesen kann
  • Angst, dass man mir in langweiligen Seminaren ansieht, dass ich in Wirklichkeit an Sex mit dem Dozenten denke

Die Liste ist endlos lang. Und ich habe so das Gefühl, dass ich jede zweite Woche eine neue hinzu addieren kann.

Aber mit diesen skurrilen Ängsten kann man ganz gut leben.

Schwieriger sind die diffusen Ängste, die die man gar nicht einschätzen kann, gar nicht weiß aus welcher Ecke sie kommen. Die immer dann kommen, wenn sie kein Schwein braucht. Die man jahrelang hat, ohne sie so richtig zu bemerken.  Und dann, eines Tages wacht man auf und spielt sein bisheriges Leben durch und sieht, dass sich eigentlich alles nur darum gedreht hat. Darum eben diese Angst zu vermeiden. Sie zu umgehen, sie zu besänftigen.

So geht es mir gerade. Gefühlte 70% meiner letzten 10 Jahre habe ich dem Umschiffen meiner großen Ängste gewidmet und dabei Dinge getan, die ich (so hoffe ich zumindest) im „Normalzustand” so nicht getan hätte.

Jetzt gerade mache ich das Gegenteil. Ich befreie mich. Ich bin radikal. Ich bin ein Angstterrorist. Ein Freedomfighter meiner eigenen Seele. Ich lege mir in epischen Gesten das Stirnband um wie Karate Kid und nähe mir selbst die Wunden wie Rambo.

Jeden Tag kämpfe ich mit ihr. Nicht immer gewinne ich. Sie ist fies, meine Angst. Sie schleicht sich heran und macht es sich gemütlich in meinem Magen. Oft bemerke ich sie erst, wenn sie sich ausbreitet, bereit mich zu verschlingen.

Freedom fighten ist eine anstrengende Sache. Die Kämpfe gehen gerne über Tage, oder schlimmer, wir liegen in zwei Gräben, nur Meter von einander entfernt und lauern. Und machen uns mürbe. Ab und zu schmeißt sie eine Rauchbombe. Ab und zu ich meine alten stinkenden Socken (denn das ist viel effektiver). Dann Waffenruhe. Auftanken. Und von vorn.

Ich könnte es auch lassen, ich weiß. Wir könnten einen Kompromiss finden – sie nimmt einen Teil meines Lebens und lässt mich dafür so gut es geht in Frieden. Das Problem ist nur, ich bin stur. Ich habe keinen Bock mehr zu teilen. Ich will den ganzen Kuchen, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass es sich hier um Schwarzwälder Kirsch mit extra Sahne on top handelt. Und nicht Sandkuchen aus dem Edeka, wie sie mir immer vormachen will.

Und ich will am Ende meiner Tage auf meinem Sterbebett liegen mit vollem Magen, rülpsend, während ein Pfleger mir die letzten Krümel von der Brust schnipst.

You gotta fight for you right to Kuuuuuuucheeenn!!!

Ich lieg dann mal rum…

Ich fühle mich gerade wie damals, als ich Million Dollar Baby sah und Hilary Swanks Kopf plötzlich auf dem Stuhl aufschlägt und alles vorbei ist. Zack!

Schockgefrostet.

Offener Mund.

Im Kopf nur eine “Das kann grad nicht passiert sein” -Warteschleife.

Das machen sie mit einem, die plot twists des Lebens. Ab und zu, gerne wenn man denkt, man kommt klar, knallen sie dir eine Breitseite rein, schwingen dir einen Baseballschläger direkt in die Fresse. Und dann liegt man auf dem Boden, versucht sich an seinen Namen zu erinnern und sucht seinen Backenzahn.

Ich lieg da jetzt schon seit ein paar Tagen. Wach aber regungslos. Man kann eben nicht immer gleich aufstehen. Ich spüre den Schmerz in meinen Knochen, schmecke mein salziges Blut und lache über Gott und ihren ganz eigenen Humor.

Atme durch, schaue wie die Wolken über mir vorüberziehen. Kontempliere, ob es überhaupt Sinn macht wieder aufzustehen. Is doch eigentlich albern. Denn immer wenn man wieder auf beiden Beinen steht, kriegt man wieder die Fresse poliert.

Ich glaub ich bleib hier noch ne Weile liegen. Nur ein bisschen. Zum Ausruhen. Denn ich kenn mich ja. Irgendwann krieg ich Hunger.

Hunger nach dem Leben auf zwei Beinen. Und wenn es soweit ist, raff ich mich auf. Und vielleicht reicht mir dann jemand die Hand und hilft mir hoch.

Oder gibt mir den Gnadenschuss. Der wurde der guten Hilary auch gewährt.

How to lose your wissenschaftliche credibility in under 10 sec.

Was small talk angeht, bin ich ja eher eine Amöbe. Ich würde sogar sagen, ich bin small talk inkompatibel.

Jetzt versuche ich aber gerade mein Leben aufzuräumen und ein wenig sozial kompetenter zu werden und übe. Übe mit Leuten, die ich nicht so gut kenne über nichts zu reden. Und dann kommt eben sowas bei raus:

filmwissenschaftliche Vorlesung zur Politik und Ästhetik im Kino.

2 Minuten vor Beginn.

2 Mitstudenten neben mir unterhalten sich.

Mitstudenten: “Ja also ich finde das einfach großartig, wie Jean-Luc das macht. Mit soviel Ernst.”

Ich: ” Ja, ich auch und ich liebe die kleine Falte, die sich immer auf seiner Stirn bildet wenn er ‘Enerrrrrgiee’ sagt. Und überhaupt ist er viel ernster bei der Sache als Captain Kirk aber das liegt vielleicht daran, dass der immer soviel damit zu tun hatte seinen Bauch einzuziehen.”

Stille.

Ratlosigkeit auf Seite der von mit be-small-talkt-en.

Mitstudent (völlig entgeistert): “Captain Kirk? Spielt der in ‘Pierrot le fou‘ mit, den hab ich nämlich nicht gesehen?”

Gott sei Dank ging die Vorlesung los. Den klitzekleinen Unterschied zwischen Jean-Luc Godard und Jean-Luc Picard zu erklären, blieb mir erspart.

Warum nur…

…sollte man heutzutage ernsthaft ein Blog anfangen?

Es gibt so dermaßen viele Blogger, dass die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mein Gesülze liest, verschwindend gering ist.

Aber.

Ich schreibe eh dauernd irgendwelchen Kram zusammen und schon aus beruflichen Gründen liegt sülzen mir im Blut.

So sind sie die Geisteswissenschaftler. Klein, verschüchtert, schlechte Haut. Und verstecken sich im Virtuellen hinter ihren Texten, in denen ihre wahren Ambitionen zum Vorschein kommen.

Deshalb habe ich mir gedacht es gibt kein besseres filmwissenschaftliches Thema mit dem ich anfangen könnte als dem Porno.