Die Frau (er)füllt sich in der Küche

Manchmal braucht man einen Mädchenabend.  Mädchenabende werden zelebriert und müssen ganz bestimmten zeremoniellen Regeln folgen.

1.) Date ausmachen, das mindestens 5 Tage im Voraus liegt, damit man sich genügend lang vorfreuen kann

2.) sich 5 Tage lang vorfreuen und das so oft wie möglich den anderen mitteilen

3.) das Essen: muss geplant werden, muss besonders sein und muss, muss, muss Schokolade oder ähnliche Süßigkeiten zum Abschluss beinhalten.

4.) Proseggio aka Prosecco nur echt mit (Auf-)stößchengarantie

5.) Filmauswahl: Film muss entweder als “Frauenfilm” von der Werbeindustrie klassifiziert worden sein oder ein Objekt der Begierde beinhalten. Hier eignen sich besonders knackige amerikanische Jungschauspieler, eine in Kitsch ertrinkende Diegese oder Sex. Selbst wenn er nur angedeutet ist.

All diese Regeln einhaltend, begab es sich nun, dass ich mich in einem wunderbaren Wohnzimmer in Kreuzberg befand, im Magen unglaublich gutes Essen und bereit war mir einen als “Frauenfilm” klassifizierten Schund reinzuziehen:

Julie & Julia

Mal abgesehen davon, dass Meryl Streeps Charakter irgendwie wie Dame Edna herüberkam (dazu muss man aber auch sagen, dass die echte Julia Child ja auch irgendwie was von einer besoffenen Transe hatte), war der Film wirklich unerträglich. Julie Irgendwas, langweilige Spießerin aus Queens, heult sich durch den gesamten Film, weil Autorin werden dann eben doch nicht so einfach ist, wie man sich damals im College erträumt hatte. Dann wohnt sie noch – Gott bewahre – über einer Pizzeria (Empörung!) und ihr Mann sieht aus wie eine Aldiversion von Steve Guttenberg und will lieber pimpern statt panieren. Weil sie es also als emanzipierte, unabhängige Frau so gar nicht bringt, besinnt sie sich auf ihre Kindheit, wo Mutti in der Küche stand und Rezepte aus Julia Childs Kochbuch für Papas Chef kochte. Fortan kocht Julie alle Gerichte nach und schreibt dazu einen Blog, der interessanterweise von ihrem Mann niedergemacht wird, als sie damit Erfolg hat.

Das Ganze wird dann als Emanzipierungsprojekt getarnt, aber eigentlich ist es das Gegenteil. Julie kocht, weil sie das beruhigt. Es beruhigt sie, weil sie es unter Kontrolle hat und nichts Unvorhergesehenes sie überrascht. Und eben weil es eine Anleitung gibt, ganz im Gegensatz zum Autorin werden. Na super.

Also, ihre Julies da draußen, die ihr es draufhabt aber es irgendwie nicht drauf habt – hier ist was ihr kochen solltet:

1) Würstchen im Schlafrock (aka Frl. W.s Frühstück)

1 Wiener Würstchen in Käse einwickeln. Auf einen Teller geben, 30 Sekunden oder bis zum entgültigen Zerlaufen des Käses in die Mikrowelle geben. Herausnehmen, aus Gesundheitsgründen ein wenig Petersilie über die Pampe streuen und Ketchup anbei geben. Voilá!

Dieses deliziöse, ultrafranzösische, kulinarische Gedicht von einer Wurst enthält genügend Kohlenhydrate, Fett und Zucker um euer Hirn wieder anzukurbeln und euch Kraft zu geben da raus zu gehen und  was gegen Sodbrennen zu besorgen. Und wenn ihr dann schon da draußen seid, dann lüftet euer Hirn und fangt an das zu machen was ihr wirklich wollt. Egal wie bekloppt es ist.

Danke.

P.s.: Diese Nachricht ist genderkonform und gilt auch für Jungs, Transen und alles davor, dazwischen und danach.

1 Response to “Die Frau (er)füllt sich in der Küche”


  • Gaaanz falsch! Würstchen im Schlafrock gehen so:

    Man nehme 2! Würstchen (Knackis, keine Wiener Würstchen) und umwickele sie mit Schnittkäse. Dann Rücken an Rücken auf einen Teller legen (nur ein Würstchen würde nämlich wieder aufrollen…). Ab in die Mikro und wenn der Käse zerlaufen ist, Ketchupp druff. Und das nicht zu knapp. Petersilie gehört definitiv NICHT zum Rezept. Das würde ja der Idee völlig zuwider laufen. Hat denn hier niemand Sinn für schlechte Ernährung???

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