vaginaler Tanztee

Ich lasse mich ja eigentlich ganz gerne mal auf “künstlerisch wertvolles” Kulturgut ein. Ich habe schon ultrafeministische Nina Menkes Filme geguckt, in denen die Hauptdarstellerin Gertrude Stein zitiert, während sie kopuliert (wird). Oder überlange Andy Warhol Filme, in denen gar nichts passiert.

Ich habe mir Installationen angeschaut, die aus wackelnden Glühbirnen bestehen und Charlie Chaplin Filme mit musikalischer Begleitung auf einem Waschbrett reingezogen.

Und ich finde sogar Performance Art ganz interessant. Vor allem solche, die es letzes Jahr beim Berliner Porno Filmfestival gab. Da war eine Performerin, die sich allerhand Zeugs in ausgewählte Körperöffnungen steckte, nur um sie dann mit Schmackes wieder nach draußen zu schießen. Eine gute Freundin wollte das unbedingt von Nahem sehen. Wir wissen immer noch nicht, was genau die Flecken auf ihrem Shirt verursacht hat. Und wie man sie wieder rauskriegt. Und ob der Ausschlag danach ein direkter Abkömmling des Hautkontaktes mit dem analen Spritzgut war.

Aber ich glaube heute wurde ich verarscht.  Auf der Eröffnung der Asia Hot Shots 2009 gab es eine Performance. Die bestand aus Filmaufnahmen eines Vulkans auf Java und komischen Tontöpfen mit Loch, die aussahen wie Muschis. Von denen standen dann noch welche auf der Bühne. Dann kamen zwei Musiker. Die machten Tropfgeräusche. Minutenlang. Meine Blase war ganz angetan und wollte mit einsteigen. Gott sei Dank wandelte sich die Geräuschkulisse in so eine Art Grießbrei-mit-offenem-Mund-und-viel-Spucke-kauen Geräusch. Meine Begleitung, Herr André, schauderte sichtlich. Das Performancegatschen hat ihn glaube ich nachhaltig traumatisiert. Ich bin froh, dass er nicht gesehen hat, wie dieses Geräusch hergestellt wurde.

Dann kamen zwei Frauen in schwarz gekleidet. Die latschten einfach völlig gelangweilt vor der Leinwand hin und her und hielten ab und an ein Blinklicht in eine der Tonmuschis. “Aha…”, dachte ich mir, “was der Künstler damit wohl sagen will?” Ich konnte nicht anders. Ich musste an meinen Gynäkologen Dr. Karohl denken. Der hätte sich bestimmt angesprochen gefühlt.

Die ersten Lacher ertönten schon hinter uns und die ersten Gäste verschwanden angenervt. Wir blieben stark. Wer letztes Jahr im Forum der Berlinale einen Film mit Überlänge über bulgarischen Straßenbau gesehen hat, läuft nicht so schnell davon. Doch dann kam der Hammer. Die Performance-Latscherinnen setzten sich hinter die Tonmuschis, mit gespreizten Beinen. Frauengestöhne- und Gestammel ertönte. Ich sah mich im Publikum um. Starre Gesichter. Kein Mienenspiel. “Nu gut”, dachte ich so zu mir, “ganz schön mutig dem indonesischen Botschafter eine Pornoperformance vor einem indonesischen Vulkan zu geben und es dann noch Eröffnung mit Länderfokus Indonesien zu nennen. Vielleicht ist das die künstlerisch wertvolle Rache daran, dass die Indonesier gerne ihre Minderheiten unterdrücken sehr gesetzesaffin sind? Quasi eine Art ‘show Loch, not war’ statement?”.

Aber als dann fünf Performer auf die Bühne kamen, die sich hinter die Muschis legten und dann durch ein kleines Loch am Hinterteil der tönernen Vagina Brummgeräusche machten, konnte ich mir den Scheiß auch nicht mehr erklären.

Ich glaube ja, der Herr André und ich wurden ganz ordentlich verhurzt.

0 Responses to “vaginaler Tanztee”


  • No Comments

Leave a Reply