Die Zombie Evolution (Teil 1) – Gnarl, Gnarl…Argh…

Der gemeine Zombie (aka „lebender Toter”,  formerly known as „Ghoul”) ist ja in den letzten Jahren ein gern gesehener Gast im Kino gewesen. Ich erinnere mich noch wie ich 28 TAGE SPÄTER sah und mein Herz kurz aussetzte, als die lang erwarteten Zombies plötzlich los rannten wie die Berserker.

Da wurde es mir klar. Ich nehme gerade Teil an einem evolutionären Sprung nach vorn. Das kommt selten vor und noch seltener, wenn die Spezies bereits tot ist.

Denken wir zurück an den (korrigiert mich wenn ich falsch liege) ersten Zombiefilm DER WEIßE ZOMBIE (1932) mit Bela Lugosi als Zombiemaster. Per Voodoozauber und Gedankenkontrolle verwandelt dieser eine junge Frau in einen Zombie, zum Entsetzen des jungen Mannes, der ihm den Auftrag dazu gab. So richtig Spaß macht es nämlich nicht wenn die Auserwählte nur noch im Schneckentempo mit vorgestreckten Armen durch die Gegend läuft, dabei sabbert und auch ansonsten noch hirnloser ist, als sie vorher schon war. Und, das hatte er ebenfalls nicht bedacht, man muss dauernd aufpassen, dass die Gute einem nicht das Hirn annascht.1

So lief es das dann die nächsten paar Jahrzehnte. Irgendein Typ kontrolliert die Hirngematschten, die sich ewiglich grunzend von A nach B schleppen, um irgendwelche Aufgaben zu erfüllen und nach Menschenhirn zu suchen. Und dann kam George A. Romero, ein kleiner Mann mit einer überdimensional großen Brille.

Der dachte sich im Jahr 1968, als die meisten anderen in den USA gerade damit beschäftigt waren in Vietnam zu sterben oder nackig und bekifft über Blumenwiesen zu hüpfen, dass es Zeit wäre für eine neue Art Zombie. Und zwar einen, der noch so ein ganz kleines bisschen (Eigen)Hirn übrig hat. Gerade soviel um nicht mehr von irgendwem kontrolliert zu werden, sondern um seinem obskuren, animalischen Instinkt zu folgen. Romeros Idee kam nicht von ungefähr. Für ihn war es ein geeignetes Ausdrucksmittel um Kritik zu üben an einem Land, dass sich nicht darum schert wie viel junge Männer es in den sicheren Tod schickt und stattdessen lieber den Kopf in den Sand steckt. Klingt relativ sozialistisch. Ist es auch.

So beginnt NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) gleich auf dem Friedhof auf dem ein Geschwisterpärchen das väterliche Grab besucht. Auf sie zu stolpert ein eigenartig blutleerer Kerl und der Bruder macht sich lustig über Barbra, seine Schwester, die sich – ganz Frau – natürlich fürchtet. Ziemlich dumm nur, denn sie hat recht. Zur Strafe wird der Bruder aufgefuttert und fortan muss der Zuschauer die entweder dauerschreiende oder katatonisch drein blickende Barbra ertragen. Bis sich am Ende des Films ein “lebender Toter”2 erbarmt und sie endlich zum Schweigen bringt.

Doch vorher flüchtet sie sich in ein Farmhaus zusammen mit einem schwarzen und Muskel bepacktem Mann. Dass dieser sogar einen Namen hat (Ben) und scheinbar der einzige ist, der weiß was er tut, macht diesen Film zum ersten Horrorfilm3 , der einen farbigen Mann als Hauptdarsteller hat. (Herr Romero ist weder sparsam noch subtil in seiner Sozialkritik, NACHT DER LEBENDEN TOTEN ist quasi ein Rundumschlag.) Im Farmhaus sitzen sie nun und werden umzingelt von Horden an “lebenden Toten”, denn der Romerosche Zombie kommt gern in Horden. Zwar haben sie noch den üblichen Frankenstein Gang, sind träge, langsam und verlieren auf dem Weg das ein oder andere Körperteil, doch ihre schiere Masse macht sie weitaus gruseligen als ihre Vorgängerversion. Und sie sind auch nicht mehr ganz so pingelig wenn es um Essen geht. Hirn ist zwar immer noch lecker, doch von nun an schmeckt der Rest des Opfers. Allem voran die Eingeweide (weil es einfach so schön eklig aussieht).

Doch auch der Grund für die Zombieplage ist neu. Wurden sie bisher von mächtigen Zombiemastern per Voodoo heraufbeschworen, so verselbstständigt sich das Problem fortan. Bei Romero ist es eine Plage, eine ansteckende Epidemie, deren Ursache folgendermaßen beschrieben wird: “When there’s no more room in hell, the dead wilk walk the earth”. Megakritik, voll auf die Zwölf gegen den Vietnamkrieg und die unendlichen Toten anyone??

Während sich Ben tapfer wehrt und Barbra schreit oder nur blöd glotzt, entwickelt sich ein zweiter sozialpolitischer Krisenherd. Im Keller hat sich nämlich die ansässige Farmersfamilie (weiß, unterdurchschnittlich intelligent dafür überdurchschnittlich rassistisch und dazu bewaffnet) inklusive einem infizierten Kind versteckt. Das heißt Ben muss fortan einen Zweifrontenkrieg führen. Wie das ausgeht wissen wir ja.

In DAWN OF THE DEAD (1977) lernen Romeros „lebende Tote” dann noch eine weiter, in der westlichen Gesellschaft unendlich wichtige, Eigenschaft dazu: shoppen.

So rudimentär das tote Resthirn auch ist, der Impuls ins nächste Einkaufszentrum zu schlurfen, um dort nach Schnäppchen und Eingeweiden zu suchen, funktioniert einwandfrei. Manchmal wenn ich in meinen lokalen „Arkaden” stehe und die Leute beobachte, sehe ich nur einen Unterschied. Die Leute in den Arkaden sind nicht blutbespritzt und ihnen fallen keine Körperteile ab, wenn man sie anrempelt.

to be continued…

  1. Das klingt jetzt alles irgendwie sehr nach der Beziehung, die meine Alkoholikernachbarn führen. Aus Erfahrung darf ich also noch mal wiederholen: Es ist keine gute Idee die Frau / den Mann eurer Träume zu zomben. Das macht mehr Ärger als gedacht….und bestimmt auch mehr Dreck. []
  2. In diesem Film taucht nicht ein Mal der Begriff Zombie auf, vermutlich um sich auch verbal von den bisherigen Filmzombies abzugrenzen. []
  3. soweit ich zumindest weiß []

1 Response to “Die Zombie Evolution (Teil 1) – Gnarl, Gnarl…Argh…”


  • Hallo Karateküken,

    ein sehr schöner Artikel über die Weiterentwicklung. DU ich habe auf meinem Blog eine Blogparade mit kleinem Gewinnspiel zum Thema Zombie und überleben gestartet. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mitmachen würdest!

    Viele Grüße

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