Monthly Archive for November, 2008

The Big Sleep (1946)

Ich stehe eigentlich nicht so wahnsinnig sehr auf richtig alte Filme1 .

Aber The Big Sleep ist ziemlich großartig. Humphrey Bogart und Lauren Bacall sind eigentlich die gesamte Zeit dabei sich verbal und per Augenkontakt zu Boden zu zerren um (wie es die Klischee-Franzosen in einem schlechten Film sagen würden) “Liebä su machen”.

Ein Beispiel gefällig?

Bogart (wissendes Grinsen, männlich-herbe Gesichtszüge): “Now, what’s wrong with you, sugar?

Bacall (rauchige Stimme, göttlicher Wimpernaufschlag, Katzenaugen): “Nothing you can’t fix…”

Das Schöne daran ist, dass es stets Freude bereitet den beiden dabei zuzusehen2 , vor allem weil sich die Bacall nicht einmal die Butter vom Brot nehmen lässt und stets gekonnt pariert.

Dem Katz-und-Maus Spiel der beiden gesellt sich dann noch ein klug ausgeklügelter Kriminalfall hinzu, der so komplex ist, dass ich ihn immer noch nicht so genau durchschaut habe. Und natürlich auch – wie es sich für einen ordentlichen Film Noir gehört – zwielichtige Gangster mit albernen Namen, Millionäre und verrückte Frauen.

An dieser Stelle muss noch kurz der Regisseur angesprochen werden. Howard Hawks war einer der ganz Großen der 40er Jahre, doch bereits in den 50ern begann man ihn zu vergessen. Erst als die Franzosen der Cahiers du cinéma3 ihn zu ihrem Favoriten auserkoren, würdigte man sein umfassendes Werk auch in der Heimat.

The Big Sleep ist einer seiner besten Filme. Hawks war stets bedacht den amerikanischen Ursprungskerl in all seiner Rauheit in Aktion zu zeigen. Das gelingt ihm hier ganz fantastisch. Bogart wird vermöbelt, steht dauernd im Regen, wird gehasst, angebaggert und dann stehen gelassen, mit Waffen bedroht und verzieht nicht einmal die Miene. So ist es halt im wilden Amerika. Nur die Harten kriegen am Ende die femme fatale und überleben das sogar noch.

Also, wer die Bacall/Bogart/Hawks Kombination mag, sollte sich auch To Have or Have Not angucken.

Auch zu empfehlen ist Howard Hawks’ wohl bekanntester Film Rio Bravo. Mehr “amerikanischer harter Kerl” geht glaub ich nicht (ich sag nur John Wayne…).


  1. Richtig alt im Sinne von Zeiten, in denen schwarz/weiß aus technischen und nicht aus ästhetischen Gründen zum Einsatz kam. []
  2. …und letztendlich haben sie sich ja auch im wahren Leben gekriegt und waren glücklich bis Bogart an Lungenkrebs starb. []
  3. französische Filmzeitschrift, aus deren Reihen die Nouvelle Vague Bewegung mit Leuten wie Godard, Bazin, Truffaut etc. entsprangen []

Mein Dilemma mit Pornos (Teil 2)

Um dem geneigten Leser mein Dilemma näher zu erläutern, versuche ich es mal zu kategorisieren:

1. Die Umgebung

Mal abgesehen vom echten Amateurporno, bei dem ich ja erwarte, dass er in allzu realistischen Schlafzimmern durchschnittlich attraktiver Alltagsmenschen stattfindet, ist die Umgebung und die nicht beachteten Details selbiger mein Abturner Nummer eins.1

Zum Beispiel komme ich nicht mit den, vor allem im deutschen Porno gern gesehen Leoparden/Jaguar/Tiger bemusterten Polsterliegen mit dazugehöriger verspiegelter und schwarz furnierter Anbauwand klar. Ich habe mich immer gewundert, wo man so was Albernes kaufen kann, bis ich es zufällig in einem Katalog sah.

Noch abturnender, und leider weltweit proportional überdurchschnittlich oft vorhanden: alte Gelsenkirchener Barock Sofas, die irgendwie immer unbequem, zu klein und mit Augenkrebs erregenden Mustern bezogen sind. Zu diesen gesellen sich gern die in den 80er Jahren beliebten Mosaikfliesenbeistelltische. Bei beiden gibt es eindeutige internationale Präferenzen für die Farben schwarz, braun, lila und königsblau zu denen sich in den letzten Jahren noch ein unmotiviertes apricotfarben gesellt hat.

Warum vögelt keiner auf einem schönen übergroßen Bretz Sofa? Die gibt es auch in Animal Print (wenn’s denn unbedingt sein muss) und die sehen nicht nur gut aus, da passt auch ein ganzer Gang Bang drauf.

Warum die meisten Fickmöbel in gemustert, animalgeprintet bzw. changiert daher kommen, erschloss mich mir bei einer eher traumatischen Pornoerfahrung in einem Lesbenporno (einem für Lesben). Die Damen wühlten sich zur Abwechslung auf einer monochromen2 Garnitur. Anfangs erfreute ich mich über die erfrischende Einfarbigkeit, bis ich näher hinsah. Flecken! Überall. Und was für welche! Seit dem weiß ich wozu man diese Muster braucht. Damit man die Pornoalltagsbegleiterscheinungen nicht so schnell entdeckt.

Doch nicht nur die Möbel an sich verschrecken meine zart besaitete Libido. Meist sind es auch die unmotiviert bereitgestellten Accessoires, die Realität vortäuschen sollen. In einem Porno stand im Regal hinter den sich gerade anal begutachtenden Akteuren ein Bild von Maggie Thatcher. Sorry, aber wer bei Maggie Thatcher noch einen hoch kriegt, sollte sich in Therapie begeben.

Als ähnlich demotivierend können folgende Beobachtungen meinerseits eingestuft werden: Karl Marx’ Das Kapital (mit dem der Protagonistin auch noch der Hintern versohlt wurde), ein schon vor Wochen verstorbener Feigenbaum, Kaffeehausgardinen, eine Klobürste (im Wohnzimmer), Kartoffelchips (im Schlafzimmer), leere Regale, Diddl-Maus Bettwäsche, angeschaltete Fernseher, die nebenbei Kinderfernsehen übertragen…

to be continued…


  1. Amateurporno gucken ist für mich eh ein bisschen wie eine Tiersendung im Fernsehen sehen. []
  2. Lilafarbenen, für alle die es genauer wissen wollen []

Mein Dilemma mit Pornos (Teil 1)

Meine Pornozuschauerkarriere begann im zarten Alter von zwölf Jahren als ich auf der Suche nach meinem damaligen Lieblingsfilm in der elterlichen VHS Schublade kramte. Hinter Mutters „Pretty Woman” und „Dirty Dancing” gab es plötzlich, weit versteckt eine weitere Reihe Filme. Ich griff mir einen: meinen ersten Porno „Dr. Snake”.

Dieser wartete schon auf der Verpackung mit einer freizügigen Dame und ihren markanten, ungeniert zur Schau gestellten vaginalen Einzelheiten auf.

Wow.

Da war sie …meine erste Pornomuschi. Und so unverhofft, dass ich schneller abging als damals bei Pamela Anderson und ihrem ersten slow-motion Baywatchrettungseinsatz.1

„Dr. Snake” war übrigens ein italienischer Hardcorestreifen mit dem Claim: „Morgenstund hat Schwanz im Mund” und den mit Abstand größten und auftoupiertesten Intimhaarlandschaften, die ich jemals im Leben gesehen habe. Eigentlich bestand der halbe Film nur aus Haar und den darunter vermuteten Genitalien. Und genau da begann mein Pornodilemma.

Ich liebe Pornos. Mit den Jahren habe ich mich durch so ziemlich alle Subgenres, Länder und Jahrzehnte durchgeguckt. Ob hetero, homo, lesbisch (für hetero Männer) oder lesbisch (tatsächlich für Lesben)2 , BDSM oder andere Fetische, Softcore oder Hardcore, Amateur (Mutti und Vati von nebenan treiben es auf dem Multifunktionstisch im Wohnzimmer) oder professionell – I’ve seen them all.

Und nein, ich leide nicht an Pornosucht, im Gegenteil. Ich suche nach dem einen Porno, der mich vollends befriedigen kann, denn alle, ich wiederhole, ALLE Pornos, die ich bisher gesehen habe, haben es geschafft mich früher oder später abzuturnen. Denn leider bin ich eine Spezies Mensch, die einen stark ausgeprägten ästhetischen Anspruch hat. Und der versaut mir jedes Mal das Vergnügen, denn während die zwei Protagonisten sich ordentlich ins Zeug legen, wandern meine Augen immer zu den Imperfektionen, den unbeachteten Kleinigkeiten, dem allzu Menschlichen – eben den Sachen, die meine Libido dazu bringen abzuwinken und vorzeitig schlafen zu gehen, obwohl sie eben noch die ganze Nacht hätte durchtanzen können.

  1. Was soll ich sagen, sie hatte die besten „Argumente” des Jahres 1992 []
  2. Oh ja lieber Leser, da gibt es einen riesigen Unterschied. Solltest du männlich und hetero sein, empfehle ich die wenigen aber vorhanden echten Lesbenpornos zu umschiffen. []

Warum nur…

…sollte man heutzutage ernsthaft ein Blog anfangen?

Es gibt so dermaßen viele Blogger, dass die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mein Gesülze liest, verschwindend gering ist.

Aber.

Ich schreibe eh dauernd irgendwelchen Kram zusammen und schon aus beruflichen Gründen liegt sülzen mir im Blut.

So sind sie die Geisteswissenschaftler. Klein, verschüchtert, schlechte Haut. Und verstecken sich im Virtuellen hinter ihren Texten, in denen ihre wahren Ambitionen zum Vorschein kommen.

Deshalb habe ich mir gedacht es gibt kein besseres filmwissenschaftliches Thema mit dem ich anfangen könnte als dem Porno.